Mittwoch, 1. November 2017

Fernwärme Hamburg: fake und Fakten

Vor ein paar Tagen in der gedruckten ZEIT, nun auch online:
http://www.zeit.de/2017/44/fernwaerme-kohleheizung-abschaltung-umweltbehoerde/komplettansicht

Ein sehr langer Artikel mit leider sehr wenig Fakten und Neuigkeiten, dafür viel fake.

Da dies nicht der erste Drieschner-Artikel ist, der unkritisch das sehr umstrittene Konzept der BUE zur HH Fernwärme bejubelt, muß man ketzerisch die Frage stellen:
ist Herr Drieschner noch Journalist oder schon 2. Pressesprecher der BUE?

Auf die schnelle nur drei Fakten, die zu dieser Frage berechtigen:

1. Revolution
Quatsch. Was nämlich Herr Drieschner trotz besserem Wissen verschweigt: der Großteil der "revolutionären neuen Fernwärme" südlich der Elbe im Plan von Senator Kerstan/BUE soll
aus der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm in die neue Elbtrasse eingespeist werden.
Fernwärme aus Müllverbrennung ist nun aber nun alles andere als revolutionär, sondern wird in vielen anderen Städten seit Jahren praktiziert.
Im übrigen auch schon im kleineren Maßstab in HH.
Besonders ökologisch ist Müllverbrennungswärme übrigens nicht, sondern primär billig. So wie Kohle.
Und grundsätzlich sollte Müll auch besser vermieden statt verbrannt werden.

2. Ausstieg aus der Kohle
Hier bewegt sich F. Drieschner schon nah an einer "fake news", wenn er das Konzept von Kerstan/BUE mit einem Hamburger Kohleausstieg in V>erbindung setzt.
Ist es doch gerade das Konzept der BUE, das sich auf die Kohlewärme aus dem KoKW Moorburg stützt. Und zwar dadurch, daß diese Kohlewärme die Müllverbrennungswärme
südlich der Elbe ersetzt, damit diese dann nördlich der Elbe genutzt werden kann. Ökologischer Nutzen: Fehlanzeige. Mogelpackungsindikator: hoch.
Profiteur dieser Mogelpackung: Vattenfall, denn dadurch verringert das defizitäre KoKW Moorburg seine Verluste erheblich und Vattenfall kann wieder hoffen,
doch noch einen Käufer für das Ding zu finden.

3. Neuigkeitsgehalt
Grundsätzlich wärmt der Artikel nur das auf, was einschlägige Kreise schon seit Monaten diskutieren. Das Konzept von Kerstan/BUE liegt nämlich schon seit Frühjahr vor,
und seitdem haben verschiedenste NGO und Energieexperten fundierte Kritik geübt und ein schnelleres, ökologischeres und günstigeres "Nord-Szenrio" entworfen.
Davon aber liest man bei Drieschner kein Wort, obwohl im dieses Konzept durchaus bekannt ist oder mindestens sein sollte, wenn er sich ernsthaft mit der Hamburger Fernwärme beschäftigt hat.

FAzit:
Inhaltlich weist Drieschners Artikel noch viele weitere Schwächen auf, aber das würde hier den Platz sprengen.
Die Fakten verhalten sich also ziemlich gegensätzlich zu dem, was Drieschner in seinem Artikel beschreibt.
Denn anders, als er suggeriert, gehen Vattenfall und BUE Hand in

Daß Drieschner es besser kann, ist bekannt. Stellt sich also wiederholt die Frage, warum er bei dem Thema der Hamburger Fernwärme wiederholt patzt.

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