Dienstag, 27. Dezember 2011

Was Kohle so alles bewirken kann

Wer sich auf die SPD verläßt, ist verlassen.

Bei der Energiewende können wir BürgerInnen uns jedenfalls einmal mehr nicht auf diese Partei und ihre Vertreter verlassen. Zu stark ist die Abhängigkeit der Parteifinanzen der SPD von den Zuwendungen der großen Energieversorger, sei es als Zeitungsanzeigen, als Spenden, als Sponsoren für Parteiveranstaltungen und und und. Nicht umsonst mußte Vattenfalls Hamburger Vertreter Pieter Wasmuth auch schon öffentlich bestätigen, daß auch schon mal SPD Vertreter im Bundestag direkt finanziert werden.

Nun geht es also um den Klimafonds und die Förderung neuer Kohlekraftwerke, eine Technik, die der SPD richtig am Herzen an der Kasse liegt.

Hierzu ein Bericht der FR.

Eindeutig dazu ist dieser Kommentar.

Freitag, 23. Dezember 2011

Justiz im Schleuderwaschgang

Diese Woche wurde ein Umweltaktivist von Robin Wood vor dem Hamburger Amtsgericht angeklagt. Der Aktivist war bei den Demonstrationen rund um die Vattenfall Cyclassics 2011 aktiv.
Der Grund der Anklage an sich
da er ein Sicherstellungsverzeichnis der Polizei mit „ACAB“ unterschrieben haben soll. Hierdurch fühlt sich eine Polizeibeamtin in ihrer Ehre verletzt, da sie es als Kürzung für „All Cops Are Bastards“ interpretiert.
ist bereits eine Farce.
Aber wenn man die Umstände der Ingewahrsamnahme liest und wie der erste Prozeßtag ablief, dann wird aus der Farce ein erschreckendes Beispiel, welche Willkür zum Teil in der deutschen Justiz herrschen und welchen Einfluß persönliche Einstellungen von Staatsanwaltschaft und Richtern haben.

HIER gibt es einen ausführlichen Bericht. 

Wer sich selbst ein Bild machen möchte:
Fortsetzung der Verhandlung am 10.01.2012 um 14:30 Uhr  im Raum 192, Hamburger Amtsgericht


Mittwoch, 21. Dezember 2011

Echtes Geld für falsche Aktion

Die Mopo berichtet über den PR-Etat der Hamburger Senatsaktion „Mein Baum – Meine Stadt".

Zitat: „Stellt man Spenden und Marketing gegenüber, fließen von jedem 500-Euro-Bürgerbeitrag pro Baum 225 Euro für Werber, Fotos und Broschüren statt für Ahorn, Buche oder Linde“, schimpft GAL-Fraktionschef Jens Kerstan.
Den gesamten Artikel in der Mopo findest Du HIER. 

Schade, lieber Senat. Hättet ihr mal bei stop-greenwashing angefragt, wir hätten Euch gerne und günstiger ein paar Texte getextet und wirklich baumige Bilder von Euch gemacht ... und ihr hättet das gesparte Geld dann der Initiative Moorburgtrasse-stoppen überweisen können, die gerade erst durch den erneut erkämpften Stopp der Moorburgtrasse allein in Altona über 300 Bäume vor dem Fällen gerettet hat.

Freitag, 9. Dezember 2011

Bleibt uns weg mit Eurer Kohle

Ein Beispiel, daß das Engagement von Groß- oder Finanzkonzernen bei Preisverleihungen immer kritischer gesehen wird, zeigt diese Meldung heute morgen im DRadio (Zitat):

Die Vorschlagsliste für den britischen T.S. Eliot-Preis wird kürzer. Mit dem australischen Autor John Kinsella hat sich bereits ein zweiter Autor von der Liste streichen lassen. Er begründete dies mit der Co-Finanzierung der Auszeichnung durch eine Investment-Firma.

Die gesamte Meldung gibt es hier.

In Hamburg gibt es 2012  übrigens wieder die Aktion
"Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" vom 18. bis 27. April 2012.

Mittwoch, 30. November 2011

Scholzens Milchmädchenrechnung

 Der SPD Senat hat gestern sein Energiekonzept für Hamburg vorgestellt.
 (Achtung: schwere Kost)
An vielen Stellen ist das Konzept löchrig wie ein Schweizer Käse. Die meisten Löcher werden in den nächsten Tagen nach und nach aufgedeckt werden.

Aber das größte Loch ist so groß, dafür braucht man nur ein paar Zeilen:

Hauptpunkt ist die Finanzierung.
Die Mopo faßt es so zusammen:
Eine Garantierendite von 4,2-4,5 Prozent, die höher sein soll als die Zinsen für den Kredit. „Das ist für uns ein risikofreies Geschäft“, so Scholz.

Wie jeder spätestens nach der Finanzkrise wissen sollte: es gibt keine Rendite ohne Risiko! Vor allem ein Bürgermeister sollte es kapiert haben!

Und um das obige Konzept zu durchschauen, muß man nicht mal BWL studieren.
Vattenfall geht kein Risiko ein, denn der SPD-Senat sichert denen das Fernwärmemonopol im vom Vattenfall betriebenen Fernwärmenetz = fast (mit vom SPD Senat zugesicherten Ausbau) 500.000 Haushalte (Wohneinheiten) in HH. Der Senat geht kein Risiko ein, denn Vattenfall sichert dem Haushalt die 4,5% Rendite zu. Wohlgemerkt: die 4,5% Rendite stellen nur das Äquivalent der 25,1% Beteiligung dar! D.h. 74,9% der Gewinne gehen zu Vattenfall!

Wer trägt also das Risiko? Richtig: die Vattenfall-Fernwärmekunden.

Denn wenn Vattenfall (mal wieder) Mist baut oder mehr Geld nach Schweden überweisen muß, brauchen die nur die Preise zu erhöhen. Dann hat Vattenfall seine Verluste wieder raus und die Stadt ihre Rendite gesichert. Und als Mieter in einer Wohnung mit Vattenfall-Fernwärmeanschluß kann man den Anbieter nicht wechseln.
So einfach ist das Konzept (und könnte auch super dafür dienen, Vattenfalls Verluste aus dem Bau des KoKW Moorburg zu kompensieren (Baukostensteigerung von 1,3 auf 2,6 Milliarden Euro .... was für ein vertrauenserweckender toller Partner!).
Bürgermeister Scholz als Kontrolleur im eigenen Unternehmen? Daß ich nicht lache. Er würde ja sein Gesicht verlieren, wenn er seine 4,5% Rendite nicht bekommt.
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Montag, 28. November 2011

Wie Vattenfall sein Fernwärmemonopol ausnutzt

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Vattenfall wegen der Verschleierung seines Fernwärmemonopols in Hamburg angezeigt.
U.a. der SPIEGEL berichtet darüber.

Ironie am Rande: Im gerade zuende gegangenen Erörterungsverfahren zur Moorburgtasse hatten die Vattenfall-Vertreter immer wieder argumentiert, Vattenfall habe in Hamburg kein Fernwärmemonopol.

Nun, die Verbraucherschützen haben da ein paar Fakten zusammengetragen, die das Gegenteil beweisen.

Freitag, 25. November 2011

Wie die Energiekonzerne rechnen

 Die "Zeitung für kommunale Wirtschaft" (ZfK) brachte am Mittwoch, 23.11., eine Meldung, wie die Konzernleitung von Eon die geplanten Stellenkürzungen auf Betriebsversammlungen begründet:

In Betriebsversammlungen an den Standorten München, Essen, Hannover und Düsseldorf hat Eon die Mitarbeiter über Details zum geplanten Stellenabbau informiert.

Demnach werde sich die Zahl der einzusparenden Arbeitsplätze „am oberen Ende der bisher genannten Bandbreite von 9000 bis 11 000 bewegen“. Besonders betroffen sind   die Standorte München, Düsseldorf und Hannover. Hier verringert sich die Belegschaft um 1500, 1300 und 1000 Mitarbeiter. Darüber hinaus sind auch flächendeckende Personaleinsparungen in Bereichen wie Finanzen, Personal, Rechnungswesen oder Recht im Umfang von 30 – 40% der Arbeitsplätze vorgesehen. Ein Großteil des geplanten Stellenabbaus lässt sich bislang nicht geografisch zuordnen. Der Einschnitt sei notwendig geworden, da sich die Märkte dramatisch verändert haben. Auf dem europäischen Energiemarkt gebe es Überkapazitäten und einen Preisverfall. Auch der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland habe eine Rolle gespielt, erklärte der für die Umsetzung des Konzernumbaus zuständige Vorstand Dr. Bernhard Reutersberg gegenüber Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe. „Wir wollen Teil der Energiewende sein. Dafür brauchen wir auch finanzielle Möglichkeiten und schlankere Strukturen“, wird er zitiert. (ad) 

In einem Gastbeitrag für stop-greenwashing.org kommentiert Peter Klemm kurz und knackig diese Begründungen der Konzernleitung:

In der Energiebranche liegt der Produktivitätszuwachs im Bereich von 2% pro Jahr (Infos der Bundesnetzagentur). Seit 2000 liegt dieser Zuwachs somit insgesamt bei 20%.
Dieser Produktivitätsfortschritt ist für sich genommen eine sehr gute Sache, weil er erlauben würde die Arbeitszeit der Beschäftigten um etwa 20% zu senken, ohne die Löhne zu verändern. EON will diesen Produktivitätsfortschritt aber nur für sich nutzbar machen und seinen Profit erhöhen. Der Fortschritt soll dazu dienen, die Arbeitskraft überflüssig zu machen.
"Der Einschnitt sei notwendig geworden, da sich die Märkte dramatisch verändert haben. Auf dem europäischen Energiemarkt gebe es Überkapazitäten und einen Preisverfall", so die Sprechweise.
Wenn es Überkapazitäten gibt, muss man Atomkraftwerke abschalten! Und das erzwungene Abschalten einiger weniger AKWs wäre doch ein vortrefflicher Schritt in den Abbau jener angegebenen Überkapazitäten gewesen. Wenn es einen Preisverfall gäbe, müssten die Preise gesenkt werden, aber kürzlich hat Vattenfall eine Preiserhöhung um 7% angekündigt.
In Wirklichkeit sollen den Wind- und Solaranlagenbetreibern die Entlassungen in die Schuhe geschoben werden. Diese bösen Bürger errichten fleißig neue Anlagen, mit denen sie sowohl die neuen KoKWs immer überflüssig machen, als auch die regenerativen Großkraftwerkabsichten (Desertec, Nortec) der Konzerne praktisch in Frage stellen. Übrigens gilt, was den Stellenabbau von Eon angeht, das gleiche für Vattenfall in Hamburg. Nur die sich im Falle von Entlassungen verschlechternde Position (Image) in der Diskussion um den künftigen Betrieb der Energienetze in Hamburg und die hierfür dringend benötigte Unterstützung hindert Vattenfall daran, die bereits angekündigten Entlassungen durchzuführen.



Peter Klemm lebt als pensionierter Lehrer in Hamburg und zeichnet sich auch als ATTAC – Mitglied basisdemokratisch orientiert aus. Außerdem ist er aktiv im Solarenergie-Förderverein, im AK-Frieden des
DGB Hamburg und ehemaliger Sprecher des Bundes der Energieverbraucher Hamburg.



Mittwoch, 23. November 2011

Moorburgtrasse nicht genehmigungsfähig

Moorburgtrasse-stoppen: Moorburgtrasse nicht genehmigungsfähig / Erörterun...: Hamburg, 23. November 2011 Moorburgtrasse nicht genehmigungsfähig / Erörterungs­termin bestätigt ignorante Unternehmenspolitik von Vat...

Dienstag, 22. November 2011

die SPD und die Mobiltelephone

Am vergangenen Freitag wurde die Hamburger Volksinitiative "unser Hamburg, unser Netz" von den Ausschüssen der HH Bürgerschaft für Umweltund Wirtschaft "vernommen". Der Verfasser dieses Eintrags war selbst dabei.
Umso erstaunter war ich, als ich dazu dann die SPD-Pressemitteilung lesen durfte.
Ganz offensichtlich waren die Verfasser dieser Pressemitteilung zumindest geistig an diesem zugegeben sehr langen Abend nicht anwesend (oder frühzeitig ausgestiegen). Nachstehend findest Du daher eine Klarstellung, wie die Pressemitteilung aussähe, wenn mensch wahrheitsgetreu berichtete:

Nach der Anhörung der Initiative „Unser Hamburg - Unser Netz“ am vergangenen Freitag sieht sich die Initiative in ihrer Haltung bestätigt: „Die Finanzierung der 100% Rücknahme ist gesichert." Als Beweis übergab die Initiative an den Ausschussvorsitzenden stellvertretend für die Ausschussmitglieer einen dicken Stapel an Gutachten, welche der Senat bislang unter Verschluß hielt und die nun öffentlich einsehbar sind. "Wer sich mit diesen Gutachten beschäftigt, findet dort die Antwort auf die Frage der Finanzierung", so die Initiative.

Die Vertreter der Initiative konnten in der Anhörung am Freitag im Festsaal des Hamburger Rathauses alle Zweifel ausräumen, was die Machbarkeit der 100% Übernahme angeht.  „Der Hinweis seitens der SPD, eine Mehrheitsübernahme werde sich nicht tragen oder rechnen, wird durch die Gutachten widerlegt und entkräftet." Die Initiatoren fordern daher alle Abgeordneten auf, verantwortungsvoll zu handeln und endlich die Ergebnisse der Geheimverhandlungen zwischen Senat und Vattenfall/EON zu veröffentlichen. "Der Senat und die SPD handeln verantwortungslos, wenn sie hier Antworten schuldig bleiben. Die Hamburgerinnen und Hamburger haben ein Recht darauf zu erfahren, welche Kosten und Risiken der Senat in ihrem Namen mit den Energieunternehmen vereinbart", so die Initiative.

Die Initiative forderte die SPD erneut auf, für Klarheit im Verfahren zu sorgen. „Hamburg braucht schnell Klarheit, wie es mit den Energienetzen weitergeht. Deshalb fordern wir den Senat auf, von seinem Recht Gebrauch zu machen, die Konzessionsverträge zu kündigen und auszuschreiben.“ Die Hamburgerinnen und Hamburger könnten dann in Ruhe öffentlich und transparent die bestmögliche Lösung für Hamburg diskutieren und treffen. Eine Entscheidung des Senats vor dem VE  wäre undemokratisch und würde ein schlechtes Ergebnis für die Stadt, für die Beschäftigten der betroffenen Unternehmen und letztlich auch für wichtige Fragen der Energiewende bedeuten. „Im Übrigen bleibt es natürlich bei unserer Zusage, dass wir gesprächsbereit sind, wenn der Senat und/oder die SPD-Fraktion mit einem Vorschlag auf uns zukommt. Trotzdem muss man festhalten: Die Entscheidung ist zu wichtig für unsere Stadt, um sie ohne einen Volksentscheid und in Geheimverhandlungen ohne Einbezug der Öffentlichkeit vorschnell zu treffen. Das Mappus-Modell sollte Scholz eine Warnung sein, vorschnell zu handeln. Der SPD Senat sollte in der Anhörung am 8.12. im Ausschuss darlegen, daß sie ohne Not diese Geheimverhandlungen führt – und vor allem warum. Es ist gut, dass das Volksentscheidsverfahren jetzt die Möglichkeit mit sich bringt, daß die Konzessionsverträge Stadtgespräch werden – denn Fragen gibt es viele, insbesondere zur besten Lösung für das Allgemeinwohl und die Menschen.“ Zum Vorwurf seitens des SPD Fraktionsgeschäftsführers Dressel, die Initiative hätte kein Finanzierungskonzept vorgelegt, stellt die Initiative fest: "Das ist schlicht unwahr, die Initiative hat schließlich einen ganzen Stapel Gutachten zu diesem Thema und der Finanzierung im Laufe der Anhörung übergeben. Offenbar spielte Herr Dressel während der Anhörung so ausgelassen mit seinem Mobiltelefon, daß die Gutachten im wahrsten Sinne des Wortes an ihm vorbei gingen.“

Montag, 21. November 2011

Kopp macht sich keinen Kopf

Martin Kopp hat mal wieder zugeschlagen und läßt die Welt durch die Welt an seinen interessengelenkten Ausführungen teilhaben. Fachwissen? Fehlanzeige. Sachliche Berichterstattung? Fehlanzeige.

Wie ein Vattenfall Presse-Praktikant im 2. Monat beschwört Kopp ein Drohszenario herauf:
Zitat:
Die Hansestadt Hamburg bereitet sich auf die Möglichkeit eines totalen Stromausfalls im kommenden Winter vor. Grund ist ein möglicher Spannungsabfall, wenn die Leistung im Hochspannungsnetz absinkt, das die Stadt mit Energie versorgt. Der Netzbetreiber 50Hertz arbeitet derzeit an einem Notfallplan. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ist eingeschaltet worden.
Uiuiuiuiui .....
Grund der drohenden Panik laut Kopp:
Zitat:

Und im Winter werden rund zehn Prozent mehr Strom als im Sommer benötigt.
Bisher war das kein Problem: Mit Brunsbüttel, Krümmel, Brokdorf und Stade gab es vier große Kernkraftwerke in der Umgebung, von denen Höchstspannungsleitungen in die Hansestadt führen. Doch mit dem raschen Atomausstieg hat sich die Lage geändert. Der Meiler in Stade wird bereits abgerissen, Krümmel und Brunsbüttel kehren nicht zurück ans Netz. Von vier großen Stromproduzenten ist Brokdorf allein übrig geblieben. Und die Versorgung durch Windenergie ist noch nicht so weit.

 Moment, da war doch was. Das AKW Stade ist seit 2003, das AKW Brunsbüttel seit Juli 2007 und das AKW Krümmel seit Juli 2009 außer Betrieb.
Schön, daß also Höchstspannungsleitungen von diesen AKW nach Hamburg führen. Pech für Herrn Kopp (und vor allem Vattenfall), daß diese je nach Kraftwerk bereits seit Jahren keine Spannung mehr transportierten.  Und das AKW Brokdorf läuft damals wie heute, da ist also kein Unterschied.


Gut für uns alle ist also, daß tatsächlich in Schleswig Holstein seit Jahren die Windenergie ausgebaut wird. Auf die ist anders als auf die Pannen-AKW nämlich die meisten Tage des Jahres Verlaß (vor allem im Herbst/Winter). Und auf jeden Fall mehr Verlaß als auf das KoKW Moorburg. Anders als Kopp schreibt:
Das Problem ist gebannt, wenn das neue Kohlekraftwerk Moorburg ans Netz geht.
bereitet das KoKW Vattenfall bereits vor dem Start massive Probleme, und Vattenfall Techniker unterschreiben im Moment alles, aber keine Inbetriebnahme in 2013.

Nee, Herr Kopp, für ein gutes Beispiel an bezahlter Volksverdummung taugt Ihr Artikel. ich frage mich, wann es endlich einen Notfallplan für guten Journalismus gibt.

Mittwoch, 16. November 2011

Die verkaufte Stadt

Heute nur ein kurzer Verweis auf einen lesenswerten Artikel 
im Kontext der wachsenden Bewegung Richtung
"Recht auf Stadt für alle und mit allen":

14.11.2011

Ansonsten arbeitet stop-greenwashing an den Vorbereitungen für den "Energiewende-Tag" am 18.11. in Hamburg. 
stop-greenwashing triffst Du ab 09:00 Uhr am Infomobil an der Messe und nachmittags auch in der Anhörung.


Wir hoffen, wir sehen uns!

Dienstag, 8. November 2011

Moorburgtrasse-stoppen: Erörterungstermin steht fest!

Moorburgtrasse-stoppen: Erörterungstermin steht fest!: Am 18.11. findet der erste Tag der Erörterung der Einwendungen im Planfeststellungsverfahren zur Moorburgtrasse statt. An diesem Tag sollen ...

Freitag, 4. November 2011

Eine Preisrede gegen greenwashing

und gleichzeitig ein Manifest gegen Nachhaltigkeit:

Sina Trinkwalder wird am Freitag als "Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit" geehrt. Die taz veröffentlicht ihre Preisrede gegen Greenwashing.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Vattenfall lügt und die Medien machen sich zum Affen

Aktualisierung 1.11.2011
eine aufmerksame Leserin hat mich auf eine Meldung im Hamburger Abendblatt hingewiesen. Die Überschrift lautet:
Nun ist diese Meldung aber nicht vom 1.11.2011 ... sondern vom 23.01.2009!
Die damaligen Reaktionen laut Abendblatt-Artikel:
Die Vorwürfe reichen von "Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Vattenfall" über "Wortbruch" bis hin zu "gezielte Täuschung". In der Kritik an der Entscheidung Vattenfalls, den Kraftwerksstandort Wedel nun doch nicht aufgeben zu wollen, herrschte gestern ungewohnte Einigkeit bei Regierungspartei, Opposition und Umweltverbänden.
Bisher hatte es geheißen, Vattenfall wolle im Gegenzug zum Bau des Kraftwerks Moorburg den Standort in Wedel aufgeben. Gestern hatte das Unternehmen dem Abendblatt bestätigt, dass sich diese Pläne, mit Verweis auf die unsichere Situation in der Energiepolitik, mittlerweile geändert hätten. (Hervorhebung seitens stop-greenwashing)
Jetzt schiebe ich noch kurz ein, daß der gerichtlich erwirkte Baustopp gegen die Moorburgtasse erst am 24.2.2010 erreicht wurde ... und nun bitte ich, den geneigten LeserIn mit diesen Informationen im Hinterkopf die untenstehenden "aktuellen" Meldungen zu beurteilen.
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Als Hamburger erlebe ich es immer wieder, daß sich die heimischen Medien in Bezug auf Vattenfall wie die berühmten 3 Affen verhalten: „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“.

Was ist heute passiert, so daß ich zu diesem drastischen Vergleich greife?

Eigentlich: nichts.

Denn Radio NDR 90,3 berichtet in einem Beitrag unter dem Titel "Kraftwerk in Wedel soll viel länger rauchen" über die "Neuigkeit", daß laut Vattenfall das KoKW in Wedel statt 2013 erst 2017 vom Netz gehen soll.
Diese Neuigkeit ist deswegen eine Nichtigkeit, weil bereits Anfang Juni das Wedel-Schulauer Tageblatt dies berichtete. Zitat:

Das Kraftwerk aus dem Jahr 1961 diene in erster Linie der Wärmeerzeugung, Strom sei nur ein Nebenprodukt. Mit 390 Megawatt ist die Leistung der Anlage angegeben. 180 000 Wohneinheiten versorgt sie in der Hansestadt mit Fernwärme. Diese Aufgabe sollte 2013 das neue Vattenfall-Kraftwerk Moorburg übernehmen. Wie berichtet muss die Leitung dafür aber noch das Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Das bedeutet eine Verzögerung im Zeitplan des Energie-Riesen von rund zweieinhalb Jahren. Laut Kleimeier soll nach der Heizperiode 2016/2017 umgeschaltet werden auf Moorburg-Wärme. Wedel geht dann zunächst in den Reserve-Betrieb, bis die Anlage ganz abgeschaltet wird.
Auch stop-greenwashing schrieb damals darüber, Spiegel Online, Abendblatt, ...
Ok, bis hierhin könnte man sagen: einfach schlampig recherchiert.
Aber 90,3 befragt nun ausgerechnet den Vattenfall Pressesprecher nach den Gründen der Verzögerung.
Und bringt unkommentiert dessen Meinung:
"Wir gehen davon aus, dass wir Wedel erst 2017 abschalten können", erklärte Unternehmenssprecher Stefan Kleimeier am Dienstag NDR 90,3. Denn: Hamburg werde vorerst auf den Fernwärmeversorger im Westen der Stadt angewiesen bleiben.
Grund für die Verlängerung in Wedel sind demnach die Verzögerungen beim Bau einer neuen Fernwärmeleitung in Hamburg. Der Widerstand gegen den Bau ist vor allem in Altona massiv. Protestler harrten wochenlang bei Minustemperaturen im Gählerpark aus. Umweltschützer und Anwohner klagten ein Mitspracherecht bei den Planungen ein.
"Schuld" sind also die bösen Umweltschützer. Mal abgesehen davon, daß alle Umweltschützer und Anwohner verdammt stolz auf sich sein können, dem ungesetzlichen Vorhaben bisher die Stirn geboten zu haben:
1. warum hat 90,3 nicht noch eine zweite unabhängige Meinung zu Ursache und Wirkung eingeholt?
2. Umweltschützer und Anwohner haben kein "Mitspracherecht" (hätten wir das, gäbe es die Trassenplanungen nicht mehr)
3. auch wenn Vattenfall schon 2009 alle Anwohner und Umweltschützer aus dem Weg geräumt hätte, müßte Wedel bis 2017 laufen ...

denn Fakt ist: Vattenfall selber hat schon im Frühsommer selber zugegeben, daß es die Stahlprobleme beim KoKW sind, die zu noch längeren und vor allem noch nicht abschätzbaren Verzögerungen bei der Inbetriebnahme führen:
http://stop-greenwashing.blogspot.com/2011/06/vattenfall-kan-es-einfach-nicht-folge.html

da hieß es im Spiegel:
Beim Vattenfall-Kraftwerk im sächsischen Boxberg ersetzt man nach SPIEGEL-Informationen bereits den T24-Stahl durch herkömmliche Werkstoffe. Im Fall des Kraftwerkneubaus in Hamburg-Moorburg hat Vattenfall entschieden, den alten Meiler in Wedel noch ein paar Jahre am Netz zu lassen. Die Folgen des Materialfehlers in den neuen Kohlekraftwerken dürften auch die Verbraucher spüren: "Die zeitliche Verschiebung der zukünftigen Kapazitäten wird sich preistreibend auswirken", erklärt Vattenfall-Sprecher Stefan Müller.

Das hörte sich also ganz anders ... sprich: ehrlicher an, was da Herr Müller sagte.

Aber jetzt steht am 18.11. der Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren zur Moorburgtrasse vor der Tür. Da schwächt eine solche Ehrlichkeit natürlich die Verhandlungsposition, wenn es darum geht, JETZT eine Trasse bauen zu wollen, deren Einspeiser noch auf Jahre nicht zur Verfügung stehen wird.

Daß die Verantwortlichen bei Vattenfall hier mal wieder lügen, ist enttäuschend. Genauso enttäuschend ist aber, daß auch die öffentlich-rechtlichen Medien diese Lügen auch noch weiterverbreiten.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Vattenfall kauft sich die Meinung schön

Der Klima-Lügendetektor deckt auf, wie Vattenfall als Sponsor einer Studie der DENA die öffentliche Meinung zu beeinflussen sucht. Konkret geht es darum, in Zukunft immer mehr Biomasse in KoKW zu verfeuern - und dafür massiv Fördergelder zu erhalten. Dabei ist dieser Plan kontraproduktiv für das Klima.

Samstag, 22. Oktober 2011

Die exklusive Gedankenwelt des Frank Drieschner


Atomjournalist Frank Drieschner hat mal wieder zugeschlagen. Unter der Schlagzeile „Hauptsache, nicht bei uns“ arbeitet er sich mal wieder in der aktuellen Ausgabe der ZEIT an der Anti-AKW Bewegung ab. Im Gegensatz zu seinem letzten Versuch, bei dem Drieschner versuchte, seine Polemik mit selbstgebastelten „Fakten“ zu untermauern (die dann aber widerlegt wurden), verlegt er sich heuer von Anfang an auf den Boulevard-Stil.

Dieses Mal knöpft sich Drieschner explizit den Atomenergie-Widerstand im Wendland vor. Schließlich steht ein neuer Castor-Transport bevor. Drieschners Kernaussage: Wir haben jetzt die Energiewende, also bitte keinen Widerstand mehr. Bei Drieschner heißt das dann:
"Eine deprimierende Antwort kommt gerade aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg. Dort macht die Protestbewegung gegen das geplante Atommülllager in Gorleben weiter, als hätte es nie eine Energiewende gegeben."
Aha.Weil also von 17 AKWs in diesem Jahr acht stillgelegt wurden (mathematisch ist das weniger als die Hälfte), soll die Anti-AKW Bewegung im Wendland laut Drieschner doch bitte schön nicht mehr gegen die Atomkraft und Atommülltransporte protestieren. Welch eine dumme Argumentation ist das denn? Das ist ja so, als würde die FDP zu der Piratenpartei sagen: „Hey, Piraten, ihr seid jetzt in Berlin im Stadtparlament, aber damit ist jetzt auch genug. Bei der nächsten Bundestagswahl tretet ihr gefälligst nicht mehr an.“ Klar, viele Liberale wünschen sich dieses Szenario – aber sie verblöden sich, es öffentlich zu machen. Drieschner hat diese Skrupel nicht.
Drieschner setzt sogar noch einen drauf. Als „Zeugen“ der Energiewende führt er gerade den Umweltminister Röttgen an, der als Papiertiger vor der Laufzeitverlängerung startete und anschließend als handzahmes Kätzchen schön brav die Lüge von der „Brückentechnologie“ mit verbreitete. Ausgerechnet auf den soll sich die Anti-AKW Bewegung verlassen? Auch diese Vorstellung ist sicherlich die Wunschvorstellung der Atom-Lobby, aber kommt garantiert nicht in den Köpfen der Anti-AKW Bewegung vor.
Aber jetzt ist Drieschner erst so richtig warm gelaufen. Er schreibt
„Vor allem aber hat die Bundesregierung die wichtigste Forderung der Atomkraftgegner erfüllt: Die wissenschaftliche Debatte um mögliche Vorzüge und Nachteile des geplanten Atommülllagers wird nicht länger unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.“
Die wichtigste Forderung der Anti-AKW Bewegung ist also nicht, wie allgemein angenommen wird, der Ausstieg aus der Atomkraft und das Stilllegen aller AKWs weltweit. Nein, Drieschner deckt es auf: die wichtigste Forderung sei eine wissenschaftliche Debatte in der Öffentlichkeit!
Oh Mann, Drieschner, Drieschner ..
In der Gedankenwelt Drieschners macht dann auch sein nächster Absatz Sinn, in dem er von der wunderbaren „Offenheit und Transparenz“ der „Gorleben-Dialoge“ fabuliert. U.a. schreibt Drieschner an dieser Stelle:
„Der Gorleben-Dialog“, den Umweltminister Röttgen begonnen hat, erfüllt alle Ansprüche an Transparenz und Offenheit"
Aha. Welchen Maßstab Drieschner anlegt, um die Wertung „alle Ansprüche“ anzuführen, wird uns leider verschwiegen. Ganz sachlich könnte man als rational denkender Mensch meinen, daß es dazu ggfls. unterschiedliche Meinungen gibt. Problem ist nur, das Drieschner seine Gedankenwelt exklusiv für sich hat und ihm niemand mit Verstand dorthin folgt. Deshalb verhallen auch Sätze wie:
„Es gibt nur ein Problem mit dem „Gorleben-Dialog“: Er ist eine Bürgerbeteiligung fast ohne Bürger. Schuld daran sind die Atomkraftgegner des Wendlands, die dem öffentlichen Streit ausweichen. Ihr Beitrag zur Debatte beschränkt sich inzwischen darauf, ihre Widersacher und insbesondere Drieschner Röttgen als Lügner und käufliche Helfer der Atomindustrie zu beschimpfen.“
Fakt 1 ist: Röttgen ist ein Lügner, denn er hat die Lüge von der notwendigen Brückentechnologie genauso verbreitet wie die ganze schwarz-gelbe Regierung.
Fakt 2 ist: Röttgen wie die restliche schwarz-gelbe Regierung haben sich mit der Kernelemente-Steuer kaufen lassen.
Insofern beschimpfen die Anti-AKW Gegner weder Röttgen noch andere Personen, sondern sprechen die Wahrheit aus.
Fakt 3: die Anti-AKW Gegner brauchen keinerlei Dialog mehr, um die Nicht-Eignung des Salzstocks in Gorleben als Zwischen- und Endlager zu belegen. Die Tatsachen sind allen zugänglich, und jeder, der weiterhin den Salzstock erforschen läßt, ignoriert diese Tatsachen. Röttgen gehört dazu. Zur Erinnerung: im April 2010 berichtete das ZDF-Magazin Frontal21 über der Redaktion des Magazins und Greenpeace vorliegende, bisher vertrauliche Dokumente zu Gorleben. Aus den Dokumenten geht eindeutig hervor, dass die Vorauswahl für Gorleben unter dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht wissenschaftlich nicht abgesichert war. Aber was passierte daraufhin: Den formalen Sofortvollzug zur Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten ordnete das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie am 9. November 2010 an - mit Billigung und Unterstützung durch Röttgen.
Dieschner schließt mit den Worten: 
„Früher einmal hatten sie (die Atomkraftgegner) für eine rationale Debatte um die sicherste Art des Umgangs mit Atommüll geworben. Es war wohl doch nicht so gemeint.“
Ich entgegne dazu Herrn Drieschner: Früher einmal hatte Journalismus in der ZEIT etwas mit Meinungsbildung durch Fakten, Recherche und Seriosität zu tun. Sie sorgen dafür, daß man das von der ZEIT heute nicht mehr erwarten kann.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Rechenstunde mit Daniela Stürmlinger

Die Pressefrau von Vattenfall Abendblattredakteurin Daniela Stürmlinger hat sich mal wieder am Thema Energiewende versucht. stop-greenwashing Lesern ist Frau Stürmlinger bereits aus ihrer Liebeserklärung an Kohlaf und Vattenfall bekannt. Übertitelt ist der Artikel, der den Anschein macht, direkt von Vattenfall bezahlt worden zu sein, mit "Ausstieg aus Atomkraft - Energiewende macht Strom 30 Prozent teurer".
Dann rechnen wir doch mal nach, wie Frau Stürmlinger auf 30% kommt:
Stürmlinger: "Bis 2020 erwarten wir, dass die Stromrechnung für die Verbraucher um 30 Prozent höher ausfällt als heutzutage, sagte Tuomo Hatakka, Chef von Vattenfall Deutschland."
Ah, also sprechen wir hier von einer persönlichen tendenziösen Einschätzung einer einzelnen Person für die nächsten 10 Jahre. Ob Herr Hatakka bei seiner Einschätzung Frau Stürmlinger aus der Hand las oder in seine Glaskugel guckte, ist mir leider nicht bekannt.

Stürmlinger: "Mit der Energiewende soll die Erzeugung von mehr Strom aus regenerativen Energien von den Verbrauchern subventioniert werden."
Schuld an dieser möglicherweisen Steigerung ist also mal wieder die böse, böse Energiewende. Ok, setzen wir dieser Meinungsmache mal harte Fakten entgegen:

"Für Strom müssen die Verbraucher laut Studie heute etwa 40 Prozent mehr bezahlen als 1998. Der Gaspreis habe sich seither fast verdoppelt. Noch stärker seien die Preise für Erdölprodukte gestiegen: Heizöl koste heute dreimal so viel wie 1998 und der Preis für einen Liter Kraftstoff habe sich verdoppelt. In diesen Preissteigerungen seien auch die Effekte aus der Ökosteuer und der Mehrwertsteuererhöhung enthalten."

Das Zitat stammt nicht aus dem Text von Frau Stürmlinger, sondern aus einer Studie der Postbank aus dem Jahre 2008. Der Zeitraum 1998-2008 war die Glanzzeit der fossilen Energie: AKWs und KoKWs, wohin das Auge blickte. Und trotzdem als Fakt hatten wir eine Kostensteigerung 40% innerhalb von 10 Jahren. Erwähnenswert für Frau Stürmlinger im Vergleich zur "Prophezeiung" von Herrn Hatakka: mitnichten.

Zurück zu Frau Stürmlinger, denn jetzt wird es konkret:

"Die nächste Tariferhöhung könnte bereits zum Jahreswechsel erfolgen. Dann steigt die Umlage für die gesetzlich vorgeschriebene Förderung erneuerbarer Energien um 0,06 auf 3,592 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom. Diese Mehrkosten dürfen die Konzerne an ihre Kunden weitergeben."
 Nun rechnen wir doch mal nach: 0,06 cent (diese Maßeinheit hat Frau Stürmlinger uns verschwiegen) von 3,53 cent (der bisherigen EEG-Umlage) sind  ... rechne, rechne ....... machen 1,7% Steigerung! Hölle und Verdammnis! Spannt die Rettungsschirme auf. 1,7%!!!!! WER SOLL DAS BEZAHLEN?! Kurz bevor ich mein Büßerhemd stellvertretend für Frau Stürmlinger zerreiße, erreicht mich diese Pressemitteilung des BMU:
"Nach Angaben der vier Übertragungsnetzbetreiber wird sich die EEG-Umlage für 2012 mit 3,59 Cent/Kilowattstunde (ct/kWh) gegenüber dem heutigen Wert von 3,53 ct/kWh kaum verändern. Für einen durchschnittlichen 4 Personen-Haushalt bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr bedeutet dies lediglich Mehrkosten von weniger als 18 Cent pro Monat!"
Ich weiß zwar heute noch nicht wie ich die 18 cent x 12 = 2,16 Euro im Jahr zusammenschnorren soll, aber es wird schon irgendwie gehen. Aber wie kommt dann Frau Stürmlinger auf 30%?
Ah, es kommen noch mehr Kosten auf uns alle zu:

Stürmlinger: "Hinzu kommen laut Hatakka weitere Belastungen. "Allein die steigenden Netzentgelte zum Jahreswechsel, die Umlage für Ökostrom und die Steuer darauf führen zu einem Kostenanstieg um mehrere Prozent." 

 Netzentgelte, Netzentgelte ... da war doch gerade etwas in der Presse, u.a. in der Berliner Zeitung:

"Die deutschen Strom- und Gaskunden müssen zum Jahreswechsel mit deutlichen Preissteigerungen rechnen, weil die Bundesregierung es versäumt hat, eine Rechtslücke zu schließen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Juni dieses Jahres ermöglicht es nach Informationen der Berliner Zeitung den Betreibern der Strom- und Gasnetze, ab Anfang kommenden Jahres zusätzlich bis zu zwei Milliarden Euro von den Energiekunden zu kassieren."

Und weiter schreibt die Berliner Zeitung:
"In Reaktion auf das Urteil haben am Wochenende zahlreiche Netzbetreiber in Deutschland drastische Preiserhöhungen angekündigt, die in der Regel an die Endkunden weitergereicht werden. Netzbetreiber sind Großkonzerne, aber auch kleine Stadtwerke, die örtliche Verteilnetze betreiben. In Berlin erhöht Vattenfall die Netzentgelte um rund 0,5 Cent pro Kilowattstunde, dies müssen auch Kunden anderer Anbieter bezahlen."

Ein Wort davon bei Frau Stürmlinger, daß die Stromnetzbetreiber wie z.B. Vattenfall hier eine Gesetzeslücke sofort nutzen, um abzukassieren? Fehlanzeige.
Zum Vergleich:
Steigerung der EEG-Umlage: 0,06 cent
Steigerung der Netzentgelte durch Vattenfall in Berlin: 0,5 cent
Aber schuld haben immer die anderen  hat stets die böse böse EEG Umlage.

Bei Frau Stürmlinger heißt es weiter nebulös:

"Wird dieser Trend auch von den anderen Netzbetreibern aufgenommen, erhöht sich der Endpreis um weitere 17 Euro jährlich. Die Strompreise für private Verbraucher in Deutschland steigen damit 2012 im zwölften Jahr in Folge", sagt Peter Reese, Leiter des Energiewirtschaftsressorts bei Verivox. 

Richtig, sie steigen im 12. Jahr in Folge, aber nicht wegen der Energiewende, die gibt es nämlich erst seit diesem Jahr. 

Kommen wir zum letzten Argument Vattenfalls Frau Stürmlingers:
"Auch die deutsche Industrie wird künftig bei der Stromversorgung stärker zur Kasse gebeten. Vor allem Großverbraucher wie Stahl- oder Aluminiumproduzenten, die auch in Hamburg Werke unterhalten, fürchten, dass sie durch höhere Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren können."
Das ist die Märchenstunde von Frau Stürmlinger. Die Realität lautet:
TAZ: "Deutsche Stromkunden werden im nächsten Jahr belastet, weil in den Gesetzen zur Energiewende Privilegien für Teile der Industrie eingebaut worden sind.(...) Einige besonders energieintensive Industrien waren in der Vergangenheit teilweise davon befreit, mit gutem Grund: Stahlhütten zum Beispiel drosseln ihre Produktion, wenn gerade besonders viel Verbrauch herrscht, um die Netze gezielt zu entlasten. Das Paradoxe: Im neuen Gesetz werden alle Industrien komplett von den Netzentgelten befreit, wenn sie nur genug Energie verbrauchen und pro Jahr mindestens 7.000 Stunden Strom ziehen. "

Resümee:
Für einen Lobbytext von Vattenfall wäre der Text nicht schlecht, jedoch billig und durchschaubar - für einen Bericht in einer Tageszeitung ein unterirdischer Beitrag zur Debatte. Ich wünschte mir, der Wind der Energiewende würde manche Redakteure aus ihren Sesseln wehen.

Alter Schwede: Lundin Oil

Der blog "Klima der Gerechtigkeit" berichtet aktuell über einen Fall von eklatanter Verstrickung aus Politik und Wirtschaft in Schweden bzw. Äthopien:

In Äthiopien stehen zwei schwedische Journalisten vor Gericht und werden angeklagt, gegen die Antiterrorgesetze des Landes verstoßen zu haben. Sie sind illegal über die Grenze gereist (das geben sie auch zu), um über die Tätigkeiten des schwedischen Ölkonzerns Lundin Oil zu recherchieren, der kein besonders gutes Image hat, was Menschenrechte angeht. Brisant ist das Ganze aber jetzt dadurch, dass sich der schwedische Außenminister – selbst Aktionär bei Lundin Oil und früher im Aufsichtsrat – in keinster Weise für die Freilassung der Journalisten einsetzt, sondern lediglich verlauten lässt, man habe sie ja vor der Einreise gewarnt.


Der ganze Artikel steht HIER.  

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Dänisches "Nein" zu CCS

Herber Rückschlag für Vattenfall, denn damit sind wohl die letzten Hoffnungen geschwunden, das es in Deutschland noch zu einem einheitlichen CCS-Gesetz kommt:
Dänische Regierung lehnt Vattenfalls Antrag auf die umstrittene CCS-Technologie und die unterirdische Kohlendioxid-Verpressung ab. Begründung: Die Methode ist zu riskabel. Schwedens Staatskonzern wollte ab 2013 seine Anlage am Kraftwerk Nordjyllandsværket ursprünglich in Betrieb nehmen und jährlich rund 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid verpressen.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Kolumbianische Kohle ist so rot wie Kohlaf Scholz


Unter dem Titel "Blut für Kohle" beschreibt die FR den Zustand des Kohleabbaus in Kolumbien.
Auszug:
In den Minen werde der Arbeitsschutz ignoriert, Arbeiter und Anwohner erkrankten. Gewerkschaftsgründungen würden gewaltsam verhindert, führende Vertreter gar ermordet.
 Auswirkungen auf das Verhalten der deutschen Abnehmer: größtenteils Fehlanzeige.
Zitat:
Als Konsequenz stoppte bislang aber nur ein einziges deutsches Unternehmen seine Kolumbien-Importe. 14 von 17 Betreibern deutscher Steinkohle-Kraftwerke zählen weiter zu den Profiteuren des kolumbianischen Kohle-Booms.

Den gesamten Artikel findest Du hier. 

Detail am Rande: bereits Ende 2010 berichtete die TAZ, daß Vattenfall mit höchster Wahrscheinlichkeit seinen Kohlebedarf für das KoKW Moorburg in Kolumbien decken wird. Zitat:

Vattenfall, das voraussichtlich 2012 das Großkraftwerk Moorburg in Betrieb nehmen will, habe zumindest in der Vergangenheit Kohle aus El Cerrejón bezogen, sagt Pressesprecher Steffen Herrmann. "Aus Wettbewerbsgründen können wir nicht veröffentlichen, aus welchen Abbaugebieten die Kohle für bestimmte Kraftwerke, also auch für Moorburg" stammt beziehungsweise stammen wird, lautet die Antwort auf konkretere Fragen. 
Wie sagt unser Bürgermeister Kohlaf von Scholz immer so schön: Gut, daß wir ein regionales Kraftwerk für Hamburg haben ...
Mit dieser Einstellung, Herr Scholz, ist nicht Ihr Parteibuch rot, sondern sind es Ihre Hände.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Moorburgtrasse stoppen - macht mit! Flagge zeigen ...

Moorburgtrasse stoppen - Macht mit! Flagge zeigen ...: Der Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren ist noch nicht bekannt, aber es kann ganz schnell so weit sein. Mehr Info: KLICK.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Mehr als nur Gedankenspiele: Tschüss Vattenfall

In den vergangenen Tagen mußten sich die Presseleute von Vattenfall Deutschland so einiges einfallen lassen, um zu sagen, daß ihr schwedischer Chef nicht das gesagt habe, was er gesagt hat.

Das gemeine Volk nennt das: lügen vertuschen. Im big business heißt das: Pressearbeit.
Was war geschehen? Bei Klimaretter.info heißt es:  
"Entweder werden wir die Produktion in Deutschland verkaufen oder wir werden sie einmotten", erklärte Vorstandsvorsitzender Øystein Løseth in der Freitagausgabe der Stockholmer Tageszeitung Svenska Dagbladet. Erst vor einem Monat hatte Vattenfall mitgeteilt, dass man sich komplett aus dem polnischen Energiemarkt zurückziehen werde. Auch dort hatte man Kohlekraftwerke betrieben.
Für die Führungsetage von Vattenfall Deutschland, die es sich auf Kosten der Gesellschaft gemütlich eingerichtet hat, ist dies natürlich eine Horrorvorstellung. Denn so bequem wie jetzt wird es für diese Menschen nimmer, sollte die schwedische Konzernmutter mit diesen Gedankenspielen ernst machen. 

Es hat jedenfalls den Anschein, als merkte die schwedische Konzernleitung, daß das Vattenfall Image aufgrund der Konzernpolitik hier in Deutschland ins bodenlose gefallen ist. Dieser Zustand ist aber nicht von selbst eingetreten, sondern der Erfolg vieler Menschen, die sich gegen das scheinbar unangreifbare Gebahren von Konzernen wie Vattenfall in Gemeinschaft mit einigen egoistisch motivierten Politikern auflehnen und Fehlentwicklungen in der Energiepolitik anprangern. Es bleibt dabei: Vattenfall ist kein Schicksal. Und Widerstand ist nicht zwecklos. 

Donnerstag, 29. September 2011

Vattenfalls seltsames Demokratieverständnis

Handelskammer die Zweite:

Bereits im September 2010 gab es eine öffentliche Diskussionsveranstaltung in Berlin zum Thema "Pflichtmitgliedschaft in IHK und Handwerkskammer: Sind IHK und Handwerkskammer nötig?"
B.Z.-Chefreporter Gunnar Schupelius diskutierte mit Eric Schweitzer (IHK Präsident Berlin), Stefan Schwarz (Präsident der Handwerkskammer Berlin), Henner Schmidt (FDP) und Nina Scheer (Geschäftsführerin Unternehmensgrün) über die Vor- und Nachteile einer Zwangsmitgliedschaft in den Kammern.

Hintergrund: 
Die IHK und Handwerkskammer dienen als Selbstverwaltungsorgan der deutschen Wirtschaft: Sie sollen das Gesamtinteresse der Unternehmen vertreten. (Hervorhebung von uns) Seit 1955 sind alle deutschen Händler und Handwerker zu einer Mitgliedschaft in der jeweiligen Kammer verpflichtet.

Im Laufe der Diskussion gab es folgenden Dialog:

Schupelius: Kurze Antwort von Ihnen Beiden, Herr Schweitzer und Herr Schwarz, bitte. Was wäre, wenn Sie sagten: Ihre Leistungen sind so gut, die Unternehmen kommen alle freiwillig. Würde es funktionieren?

Schwarz: Ich glaube, es würde nicht funktionieren, da die großen Beitragszahler eine dominante Rolle einnehmen würden.

Schweitzer: Ich möchte ein einfaches Beispiel anführen. Die IHK Berlin hat vor zwei Jahren ein Papier zur Energieversorgung in Berlin vorgelegt. In diesem hat sie deutlich mehr Wettbewerb, eine Zerschlagung des Oligopols und dezentrale Kraftwerkstrukturen gefordert. Einer der größten Beitragszahler, Vattenfall, hat sich daraufhin beschwert, dass sie eine Million Euro Beitrag im Jahr zahlen und dann solch ein Papier herausgegeben wird. Genau deshalb gibt es Pflichtmitgliedschaften. Es würde sicher auch ohne diese funktionieren, aber man muss sich fragen: wie organisiere ich Prozesse in der Wirtschaft als Politik.

Und wenn man nun bedenkt, daß bekanntermaßen Vattenfall etliche Vertreter der Politik monetär unterstützt .....

Die gesamte Diskussion zum Nachlesen findet Ihr hier.





Samstag, 24. September 2011

Handelskammer Hamburg will nicht handeln

Ein Gastbeitrag eines Lesers zur Haltung der HK Hamburg in Bezug auf die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze:

Unter der Überschrift „Zu wichtig für politische Profilierungsversuche“ schreibt Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer (HK) Hamburg gegen die Rekommunalisierung der Energienetze im Editorial der Septemberausgabe des Magazins der Handelskammer.

Er schreibt:
„Auch hier drohen … Emotionen und politisches Kalkül an die Stelle von Fakten und Argumenten zu treten“ Und dann – kommen Emotionen und politisches Kalkül.

Es würde sich nach seinen Ausführungen recht wenig für Klima und Energiepreise ändern. Lassen wir erstmal so stehen. Von einem Vertreter der Wirtschaft würde ich mir wünschen, daß die Frage nach WETTBEWERB auch gestellt wird. Im Fernwärmenetz gibt es keinen Wettbewerb.
Die HK Hamburg, wie ich sie im persönlichen Gespräch kennen gelernt habe, ist hier der Auffassung, dass Ölheizung, Gasheizung oder Pellets ausreichend Wettbewerb gewährleisten. Hier ist genau politische Profilsuche gefragt. Solarthermische und geothermische Wärme wäre wirklich wirtschaftlich zu nutzen, wenn diese ein- und durchgeleitet werden darf. Auch Öl und Gas machen als integriertes System mit Fernwärmenetzanbindung deutlich mehr Sinn als einzeln. Ein Netzbetreiber könnte auch versuchen, überschüssige Prozesswärme von bestehenden Betrieben zu integrieren.Hat ein Netzbetreiber Vattenfall an all diesen Maßnahmen Interesse, wenn dadurch seine Groß(kohle)kraftwerke bedroht sind? Menschen bereits mit gesundem wirtschaftlichem Sachverstand können diese Frage beantworten, Herr Melsheimer beantwortet sie nicht.

Richtig schreibt Melsheimer, das die vom Netzeigentümer kalkulierten Preise und Kosten sowie der Gewinnaufschlag staatlicher Aufsicht unterliegen. Meines Wissens nach sind das 9,29% Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital.
Die Übernahme würde nach seinen Worten 2 Milliarden Euro kosten. Das bedeutet bei angenommenen 100% Eigenkapital demnach über 180 Millionen erlaubtem Gewinn pro Jahr, die Vattenfall derzeit vermutlich nach Schweden transferiert. (Das mit dem Eigenkapital wurschteln wir schon mit Mezzaninen Finanzierungen irgendwie hin)
„Gleichzeitig würden pro Jahr rund 90 Millionen Euro an Konzessionsabgaben wegfallen, die die bisherigen Konzessionäre an die Stadt zahlen“
Verstehe ich nicht. Also ich verstehe nicht, was daran schlimm sein soll. Die Hamburger Energieverbraucher müssen dann also 90 Millionen pro Jahr weniger zahlen und die Stadt hat 180 Millionen – 90 Millionen = 90 Millionen mehr. Oder 50 Euro pro Nase und Jahr.

Der Brüller: „Zudem darf bezweifelt werden, ob die Netzbewirtschaftung unter städtischer Regie so reibungslos und effizient erfolgt wie durch die privaten Betreiber.“ Hallo Herr Scheuerl, Frau Suding und jetzt auch Herr Melsheimer: Vattenfall ist kein privater Betreiber – Der Betreiber von Fernwärmenetz und Stromnetz Vattenfall ist schwedischer Staatskonzern.

Donnerstag, 15. September 2011

stop-greenwashing versteht jetzt und gratuliert Vattenfall

Daß der Wind Vattenfall richtig rau entgegenbläst, beweist die illustre Schar der Helfershelfer, die Vattenfall immer noch ein grünes Mäntelchen überwerfen möchten. Ist schon lustig, daß der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) gerade in dem Jahr, in dem die Hamburger auch noch Vattenfalls greenwashing Vorzeigeprojekt "Lesetage" mit der Gegenveranstaltung "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" gekapert haben, also gerade in diesem Jahr wird vom BDI an Vattenfall der "Deutsche Kulturförderpreis" verliehen.

Und folgendes sagte Pieter Wasmuth, Vattenfall Generalbevollmächtigter in Hamburg, laut http://www.bsozd.com dazu:
“Für uns ist der Kulturförderpreis eine Bestätigung unseres kulturellen Engagements. Dort wo Städte an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen sind die Unternehmen gefordert, Verantwortung zu übernehmen, um ein Mindestmaß an kultureller und sportlicher Vielfalt zu garantieren.”
Ähh ... ach so, jetzt verstehen wir Gimpel die ganze Sache: Weil Du, lieber Pieter, und Vattenfall die riesige Verantwortung für "ein Mindestmaß an kultureller und sportlicher Vielfalt" übernehmt (ohne Euch gäbe es also nur noch Tischkicker statt HSV und St Pauli bzw. Comics statt Brecht in Hamburg), deshalb ist es natürlich zuviel verlangt, daß ihr auch noch die Verantwortung für die Störfälle in den AKW Brunsbüttel und Krümmel in der Vergangenheit übernommen hättet, die Verantwortung für die Zerstörung der Umwelt und des Klimas durch den Bau des KoKW Moorburg in Hamburg und den geplanten Bau der Moorburgtrasse übernehmen werdet und die Verantwortung für die Zerstörung ganzer Dörfer und Landstriche in der Lausitz übernehmt (die Liste läßt sich noch fortsetzen) ...

Stimmt, wenn ihr nicht wärt, ginge die ganze Chose den Bach runter ... is klar. 

Also, herzliche Gratulation auch von stop-greenwashing!


Und nächstes Mal ladet ihr uns aber wieder ein, ok? Damit wir Euch doch auch wie beim ersten Mal auch Euren verdienten Preis überreichen können.

"Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" kommentiert die Preisverleihung ebenfalls.
In der TAZ gibt es auch einen netten Artikel.

Dienstag, 13. September 2011

Geheimverhandlungen statt öffentlicher Debatte

Die Zeitung "Die Welt" hatte in der vergangenen Woche unter der Überschrift "Vattenfall erwägt den Bau eines Gaskraftwerks in Hamburg" über geheime Verhandlungen zwischen Vattenfall und dem HH Senat berichtet. Dabei geht es um die Errichtung eines neuen GuD (Gas und Dampfturbinen) -Kraftwerks anstatt der bisher von Vattenfall geplanten Wärmeauskopplung aus dem Kohlekraftwerk Moorburg.

Wenn dasGuD-Kraftwerk Wirklichkeit wird, ist das grundsätzlich ein schöner Erfolg für den Klimaschutz. Es ist auch begrüßenswert, daß die Welt über das intransparente Vorgehen berichtet, vor allem, weil der HH Senat, in erster Linie wahrscheinlich der 1. BM Kohlaf von Scholz, hier zu seinem Vorteil zwei Sachverhalte zusammenlegt, die nicht zusammen in Verhandlungen mit Vattenfall gehören: Rekommunalisierung der Netze und die Moorburgtrasse. Aber der Artikel hat auch Schwächen.


Der Artikel stellt nicht heraus, daß das GuD-Kraftwerk, wenn es Wirklichkeit wird, von engagierten Hamburgern, insbesondere auch der Bürgerinitiative Moorburgtrasse-stoppen, und den Umweltschutzverbänden zusammen mit "unser Hamburg, unser Netz" erstritten wurde. Daß jetzt auf einmal auch Behörde und Politik die Vorteile für das Klima und die Hamburger erkennen, wenn die Trasse nicht kommt, ist schön, hat aber nichts mit gutem Willen von Vattenfall und dem SPD-Senat zu tun.

Kohlaf Scholz wollte noch im Sommer die Trasse unbedingt bauen, hat aber wegen des Volksbegehrens jetzt kalte Füße bekommen. Vattenfall steht bei der Moorburgtrasse genauso mit dem Rücken an der Wand, weil sie zum einen das greenwashing Argument „sauberer“ Fernwärme aus Hamburg nicht mehr aufrecht erhalten konnten, zum anderen wegen der Stahlprobleme überhaupt nicht klar ist, wann das KoKW Moorburg hätte Fernwärme liefern können.

Hier verbünden sich also zwei Verlierer aktuell hinter geschlossenen Türen gegen einen durch das Volksbegehren artikulierten öffentlichen Willen. Und das ist der eigentliche Skandal, den ich mir gewünscht hätte, daß ihn der Artikel thematisiert.

Wenn die Politik doch sieht, daß sie hier jahrelang auf das falsche Pferd gesetzt hat, dann sollte sie doch jetzt eine offene Diskussion über die künftige Wärme- und Energieversorgung Hamburgs anstreben. Aber nein, SPD und Vattenfall kuscheln wie in alten Zeiten. Nichts gelernt aus Stuttgart21. Demokratie sieht anders aus, Herr Scholz und Frau Blankau.

Übrigens ist Hamburg noch nie auf eine Stromerzeugung aus Moorburg angewiesen gewesen und wird es auch nie sein. Das kann jedeR feststellen, indem er/sie eine Lampe anmacht: Brunsbüttel aus, Krümmel aus, Wedel liefert primär Wärme: auch ohne das KoKW Moorburg haben wir Strom. Es gibt genug Studien, die belegen, daß wir auch in Zukunft die KoKW-Generation a la Moorburg zur Versorgung nicht brauchen werden, weil wir schon heute ein paneuropäisches Netz haben. Es ist genug Zeit, regenerative Kapazitäten aufzubauen. Warum dann immer noch in den Medien diese Falschbehauptung mit Moorburg als „Kraftwerk für Hamburg“ verbreitet wird, ist mir schleierhaft.



Freitag, 9. September 2011

Skepsis an Skeptiker führt zu Rücktritt

In den USA ist Klima"skeptizismus" bereits so weit verbreitet, dass es schon ganze Geschenkkollektionen für sie gibt, in Österreich führt das Leugnen der Erderwärmung immerhin zum Rücktritt. Die ganze Geschichte gibt es auf Klimaretter.info.

Mittwoch, 31. August 2011

Musterbeispiel für Greenwashing: Danone wird abgemahnt


Zur Abwechslung ein Beispiel aus dem Bereich "food": n-tv.de berichtet über den "Acitivia"-Joghurt von Danone. Dieser wird nun in Becher aus sogenanntem Biokunststoff abgefüllt. Der sei besser für die Umwelt, sagt Danone und druckt es auch auf die Packung. Trotz besseren Wissens, denn ein selber von Danone in Auftrag gegebenes Gutachten liefert genau dafür keine Beweise. Die "Deutsche Umwelthilfe" wirft dem Konzern deshalb zu Recht Etikettenschwindel vor.

Hier gibt es den gesamten Bericht.

Dienstag, 30. August 2011

Steigt Vattenfall aus?

Dirk Seifert, Energiereferent bei Robin Wood, faßt die augenblickliche Situation von Vattenfall im deutschen Markt zusammen.

"Die Gerüchte darüber, dass der schwedische Stromkonzern Vattenfall sich möglicherweise aus dem deutschen Energiemarkt zurückzieht, häufen sich. Anlaß für diese “Spekulationen” ist die laufende Umstrukturierung des Konzerns, aber auch viele wirtschaftliche Probleme."
Hier geht es zum ganzen Artikel. 

Montag, 29. August 2011

ROBIN WOOD fordert: Ehrung von Jane Goodall als Hamburger Umweltbotschafterin soll nicht bei Unilever stattfinden

Mit einem offenen Brief hat ROBIN WOOD heute die Stadt Hamburg aufgefordert, die weltberühmte Affenforscherin Jane Goodall nicht ausgerechnet bei Unilever zur Botschafterin der „Umwelthauptstadt“ zu küren. Goodall soll am 3. September in der Deutschland-Zentrale des Konsumgüter-Konzerns in der Hafen-City öffentlich geehrt werden. Unilever ist als einer der weltweit größten Palmölverbraucher maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Lebensräume des Orang Utans in den Tropen zerstört werden. 


Dienstag, 23. August 2011

Sonntag, 21. August 2011

Freitag, 19. August 2011

Willkommen bei den Haien, kleiner Fisch

greenwashing mal im Kleinen, also dem zwischenmenschlichen Bereich ... da wo es ernst wird, wie weiß die grüne Weste wirklich ist: Birgit Jacobsen-Farber schreibt über den Umgang von Vattenfall mit Kunden, die finanziell nicht systemkritisch sind und deshalb selbständig damit klar kommen müssen:


Willkommen bei den Haien, kleiner Fisch

Dienstag, 16. August 2011

Samstag, 13. August 2011

Der Held des Tages: Per Hinrichs

Dieser Pantoffelheld Held der schreibenden Zunft hat einen Artikel über das "Fest zum Protest" im Wendland in der DIE WELT geschrieben: "Sponsoring mit Restrisiko".

Hinrichs versucht sich in dem Artikel mit scharfsinniger Ironie Geringschätzung des Ereignisses. Höhepunkt seines journalistischen Ergusses ist die Beschreibung eines Sitzblockadetrainings:
Schmerzen! Entbehrung! Ja, das ist gelebter Widerstand. Doch nicht jeder muss ein Held werden: " Soweit muss es aber nicht kommen, jeder kann jederzeit gehen oder sich freiwillig und ohne Schmerzen wegtragen lassen." Dann kommt zwar der Castor durch, aber man hat sich der rollenden Radioaktivität samt Staatsmacht entgegen geworfen.

Lieber Herr Hinrichs: Bei Lesen Ihres Artikels habe ich Schmerzen im Kopf gespürt, weil Ihr Artikel fast jeder journalistischen Sachlichkeit entbehrt. Ich empfehle dringend den (wahlweise durch E.on, RWE, Vattenfall oder EnBW) gesponserten Besuch eines Blockadetrainings, um die Blockade in Ihrem Kopf zu überwinden.



Freitag, 12. August 2011

E.on und RWE und wo die Kohle blieb

 Auf ZEIT online erschien der Artikel "Rosskur im Revier". Der Artikel zeichnet sich durch wohltuende Sachlichkeit und Neutralität aus (kein Wunder, denn statt von Kollege Drieschner ist dieser Artikel von Claudia Reischauer und Christian Tenbrock verfaßt).

Der Artikel beleuchtet den Hintergrund der aktuellen Quartalsverluste der Atomkonzerne E.on und RWE. In diesem Zusammenhang schreiben die Autoren:
 "Zusammen haben E.on und RWE seit 2005 vor Steuern schwarze Zahlen in Höhe von rund 90 Milliarden Euro geschrieben."
90 MILLIARDEN EURO ... in 5 Jahren! Was haben die Konzerne mit diesen gigantischen Gewinnen gemacht?
"E.on machte sich noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts auf, zum voll integrierten und mit Kohle und Kernkraft in allen Winkeln Europas aktiven Energiekonzern aufzusteigen; RWE versuchte, etwa im Wassermarkt energiefremde zusätzliche Renditebringer zu erwerben. Diese milliardenschweren Abenteuer im Ausland fanden überwiegend ein schlechtes Ende."
Oh ... nur mal zur Erinnerung ... es gab schon mal einen Atomausstiegsbeschluß ... der hat den deutschen Atomkonzernen alle Zeit der Welt gegeben, strategisch umzudenken und zu steuern. Aber was machten die Lenker der beiden Konzerne:

"Auf den Wandel auf dem Energiemarkt reagierten die Unternehmen allerdings nur unzureichend, der Ausbau erneuerbarer Energien wurde kaum vorangetrieben."
Die augenblickliche Lage ist also hausgemacht. Die "Energiewende" hat den Bossen nur das Ruhekissen weggezogen. Den normalo Arbeitnehmer trifft es trotzdem. Aber es gibt einen Nebeneffekt: die deutsche Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel. Beide Atomkonzerne wollen jetzt bis zu 20.000 Fachkräfte in Deutschland entlassen. D.h. Arbeitskräfte, die durch gigantische staatliche Subventionen (u.a. der Atomkraft) künstlich dem Arbeitsmarkt entzogen waren, stehen diesem jetzt wieder zur Verfügung. Und für die eine dezentrale Energieversorgung mit vielen kleinen Unternehmen werden diese auch weiterhin gebraucht. Ich glaube, die Energiewende macht sich schneller (für das Allgemeinwohl) bezahlt als allgemein angenommen wird.

Mittwoch, 10. August 2011

Vertrau mir ... oder die verschlungenen Pfade im Mediendschungel

Leider mal wieder ein schönes Beispiel, wie der Journalismus sich sein Grab selber gräbt.

Die dpa verschickt eine Kurzmeldung über eine vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie. Abgedruckt wird die Meldung z.B. im Hamburger Abendblatt.
Reißerischer Titel:

Strom wird bis 2030 32 Milliarden Euro teurer

Inhalt der Studie laut Abendblatt/dpa:

Das geplante Aus für die Atomkraft in Deutschland macht Strom bis zum Jahr 2030 laut einem Pressebericht um insgesamt mindestens 32 Milliarden Euro teurer. Das sei das Ergebnis einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie, berichtete das „Handelsblatt“ am Mittwoch. Der beschleunigte Ausstieg führt demnach auch zur Verlagerung von Stromproduktion ins Ausland und zum vermehrten Import fossiler Energieträger. 

Der veröffentlichte Abriß der dpa listet dann auch auf, wer denn da im Auftrag des BMWi tätig geworden ist:
Die Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI), des Prognos-Instituts und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) liegt dem „Handelsblatt“ nach eigenen Angaben vor.
Natürlich liegt die Studie dem Handelsblatt vor, denn EON und RWE wollen ja, daß diese von ihnen co-finanzierte Studie unter das Volk die Journalisten kommt. Denn: 

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln (EWI) ist ein Forschungsinstitut, dass durch die Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln gGmbH finanziert wird. Gefördert wird das Institut außerdem durch E.ON und RWE.

Das steht aber natürlich nicht in der dpa-Meldung und den Veröffentlichungen. Nein, das steht z.B. hier. Nettes Beispiel der "Unabhängigkeit" des EWI von den Stromkonzernen:
Barbara Minderjahn war von 2009–2011 Leiterin politische Kommunikation des EWI. Davor arbeitete sie von 2007–2009 in der Unternehmenskommunikation bei E.ON Kraftwerke. Seit dem 1. Juli 2011 arbeitet sie als Leiterin Communications & Public Affairs bei RWE Supply and Trading.(Quelle)


Das soll nicht heißen, daß die oben angesprochene Studie an sich tatsächlich nur den Wert einer Werbebroschüre von RWE oder EON hat. Aber das die dpa (und die diese Meldung dann veröffentlichenden Medien) nicht wenigstens einen Hinweis auf den doch recht unneutralen Hintergrund der Ersteller geben, ist ein Armutszeugnis für objektiven Journalismus.

Montag, 8. August 2011

Initiative für ein Erlanger Poetenfest ohne Atom

Ähnlich wie bei den "Hamburger Lesetagen" gibt es auch in Erlangen eine Initiative, die das dortige Literaturfestival (Poetenfest) ohne das greenwashing eines Atomkonzerns betreiben möchte. Was in Hamburg der schwedische Staatskonzern Vattenfall, ist in Erlangen der französische Staatskonzern Areva. Das 2001 entstandene Unternehmen Areva ist das größte seiner Art weltweit: Es bedient die gesamt Wertschöpfungskette der zivilen Atomenergie: Vom Uranabbau in Afrika bis hin zur Wiederaufarbeitung der Brennstäbe im französischen La Hague und den kompletten Bau von Atomkraftwerken, einschließlich der Planung neuer Kraftwerkstypen, die sogenannte dritte Generation.

HIER mehr lesen. 

Cyclassics-Teilnehmer fahren im Anti-AKW Outfit

Aus einem Radsport-Forum: 

"Liebe Leute,

ich hätte da gerne mal ein Problem: ich fahre seit Jahren jeden
Sommer die Cyclassics in Hamburg und die haben sich so langsam
zu meinem Saisonhöhepunkt entwickelt.

Die Cyclassics sind inzwischen mein Lieblingsrennen.

Mit diesem Liebling habe ich nur ein Problem: ich fahre dort auch
mit einem großen Widerwillen, da die Veranstaltung den AKW-
Betreiber Vattenfall als Namenssponsor hat...."



HIER weiterlesen.

Freitag, 5. August 2011

lt. Ökosex ist Energiepolitik ist Kulturkampf

1. Ökosex (ÖS) ist eine Kolumne in der taz. Daneben ist Ökosex die erste Kolumnenband der Welt. Macht Musik und Videos. Und Ökosex ist die erste wissenschaftliche Instanz, die sich mit emotionaler Klimaintelligenz beschäftigt. Darum geht es bei Ökosex: um Kultur und Emotion der solaren Effizienz. Problem: wir leben in einer heiteren Ausredengesellschaft, die davon überzeugt ist, dass es nicht geht. Dagegen helfen Argumente nur bedingt, da braucht es jede Menge Vibrations.
Mehr Infos gibt es HIER.

2. Die neue Kolumne behandelt Atomgeschäfte, Dienstwagen, Poesie in Erlangen ... und gerade das Thema Poesie weist eine starke parallele zur Literatur in Erlangen auf. Lest selbst.

stop greenwashing jetzt bei Twitter!

http://twitter.com/#!/greenwashingHH

Donnerstag, 4. August 2011

Dienstag, 26. Juli 2011

keine gute Idee: beim Vorangehen nach hinten blicken

"Neue "Welt"-Serie: So ändert sich die Energieversorgung in Hamburg - Welche Auswirkungen der schrittweise Übergang zu Windkraft und Co. für die Hansestadt hat."

Leider schwankt der Artikel zwischen Bemühen einerseits und dilettantischer Recherche und falschen Schlußfolgerungen andererseits. Schlecht gelaunte Zeitgenossen könnten sogar zu der Annahme kommen, der ganze Artikel sei eine getarnte Propaganda für das im Bau befindliche KoKW Moorburg.Vor allem behindert sich der Autor Herr Kopp aber selber dadurch, daß er auf dem Weg zur Energiewende nur nach hinten blickt.

Vorweg:
der Artikel krankt grundsätzlich an einer veralteten Annahme: Hamburg ist keine Energie-Insel. Bis ca. Mitte der 1990er Jahre dachte man im Strommarkt regional, d.h. Erzeugung und Nachfrage sollten geographisch dicht beisammen liegen. Damals gab es auch noch regional unterschiedliche Strommärkte mit unterschiedlichen Preisstrukturen. Dann kam die europaweite Liberalisierung des Strommarktes.

Kopp schreibt im letzten Drittel seines Artikels:
Dazu bedarf es einer weiteren riesigen Energieerzeugungsanlage. Die steht in Moorburg. Das Kohlekraftwerk, das dort gebaut wird, hat eine Leistung von 1640 Megawatt, also ungefähr zweimal so viel wie das Atomkraftwerk Brunsbüttel. Es wird in der Lage sein, 80 Prozent des Strombedarfs der Stadt zu decken.
Kurz gesagt: zu sagen Hamburg brauche das KoKW Moorburg, um „seinen“ Energiebedarf zu decken, ist quatsch. Hamburg bezieht seinen Strom aus dem europaweiten Stromnetz. Wenn nämlich Hamburg heute noch eine regionale Energieversorgung hätte, dann ist doch verwunderlich, daß es keinerlei Einbußen gibt, obwohl mit Brunsbüttel und Krümmel die lt. Artikel eigentlich tragenden Säulen der Hamburger Energie-Versorgung seit Jahren nicht zur Verfügung stehen und das KoKW Moorburg wenn überhaupt erst mit einigen Jahren Verspätung ans Netz gehen wird. Der Autor Kopp schreibt denn auch richtig an anderer Stelle für das Jahr 2009:
Knapp 80 Prozent des Hamburger Strombedarfs werden von außerhalb der Stadt bedient, und ein Großteil der Energie kommt derzeit von dem Atomkraftwerk in Brokdorf.

Was dann ein KoKW Moorburg direkt mit der Stromversorgung Hamburgs zu tun hat, erschließt sich dem aufgeklärten LeserIn nicht. Daß dieses reine greenwashing Argument „Moorburg sei das Kraftwerk Hamburgs“ seitens der KoKW Moorburg Betreiber und auch der Befürworter daher gerade in einem Artikel, der sich nach Eigenaussage mit der Energieversorgung Hamburgs beschäftigt, nicht nur nicht widerlegt, sondern auch noch nachgeplappert wird, ist nicht nur bedauerlich, sondern geradezu ärgerlich – und disqualifiziert diesen an sich ehrenwerten Versuch leider auf der fachlichen Ebene.

Dazu kommen noch einige andere Patzer, von denen ich nur einige Exemplare nennen möchte:

Egal, wie es kommt, schon jetzt ist absehbar, dass die erneuerbaren Energien in Hamburg niemals genug Strom liefern können, um die ganze Stadt zu versorgen.


Woher weiß der Autor das? Niemand hat vor einigen Monaten in Deutschland gewußt, daß wir heute tatsächlich die Energiewende eingeläutet haben, und jetzt weiß Herr Kopp aber, daß die erneuerbaren Energien in Hamburg niemals ausreichen werden? Erstaunlich … und nicht haltbar. So weiß man z.B. heute noch überhaupt nicht, welche Potentiale Geothermie für Hamburg haben könnte.
Deshalb ist der folgende Satz von Herrn Kopp ebenfalls unsinnig:
Auch nach der Energiewende wird Hamburgs Strombedarf von außen gedeckt werden müssen.
Nein, nicht müssen, sondern können! Das Grundprinzip der Energiewende besteht aus Dezentralität und Ausgleich. Dort, wo wenig erneuerbare Energie erzeugt wird, muß mehr erneuerbare Energie hintransportiert werden. Und glücklicherweise liegt Hamburg in unmittelbarer Nachbarschaft von Schleswig-Holstein, das in Zukunft einen Überschuß an Energie produzieren wird, der in Hamburg abgenommen werden kann. Für die windarmen Tage arbeitet man mit Regelenergie z.B. aus BHKWs, Biomasse-, Gaskraftwerken, etc. Ein solches Szenario zu recherchieren (das der SRU bereits 2009 entworfen hat), wäre übrigens ein schöner Punkt dieses Artikels gewesen.
Ein solches Szenario macht auch deutlich, daß die einzelnen Zahlen für in Hamburg installierte Anlagen keinerlei Aussagewert für die (jetzige und künftige) Energieversorgung haben. Sie können höchstens Ausdruck des politischen Willens sein, auch vor Ort in Hamburg für einen Ausbau der regenerativen Energien zu sorgen. Und leider zeigen die aktuellen Zahlen für Hamburg, daß hier (positiv ausgedrückt) noch sehr viel Potential herrscht – in der Umwelthauptstadt Europas.
Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Leistung von Biomassekraftwerken, von denen es 19 kleinere in Hamburg gibt. Ein großes mit einer Leistung von 17 Megawatt Fernwärme und fünf Megawatt Strom wird derzeit von Vattenfall am Haferweg gebaut. Die Biomassekraftwerke lieferten im vergangenen Jahr 176 000 Megawattstunden Strom. Ihr Anteil an den erneuerbaren Energien in Hamburg liegt damit bei 70 Prozent. Biomassekraftwerke leben von der thermischen Verwertung natürlich nachwachsender Rohstoffe. Hamburg ist eine grüne Stadt und produziert relativ viel Biomüll, doch für ein auf Stromerzeugung ausgelegtes Kraftwerk wie das am Haferweg bei Weitem nicht genug. Die Anlage braucht 76 000 Tonnen Holzhackschnitzel pro Jahr. Betreiber Vattenfall ist gezwungen, die Biomasse aus einem Umkreis von 100 Kilometern um die Stadt zusammenzukaufen. Das mindert die Öko-Effizienz.
Was Herr Kopp zum Thema Biomasse schreibt, ist grundsätzlich richtig. Leider disqualifiziert er sich wieder selber mit einem allzu platten Pauschalurteil:
Geradezu ökologisch unsinnig ist, was in Berlin passiert. Dort hat die Bevölkerung Vattenfall den Bau eines Kohlekraftwerks untersagt. Stattdessen wurde ein Biomassekraftwerk gefordert. Die Hölzer zur Verfeuerung lässt Vattenfall per Schiff aus Liberia kommen. Damit ist auch diese Lösung schnell ausgereizt. Obgleich auch Hamburg Energie derzeit über den Bau eines acht Megawatt starken Biomassekraftwerks verhandelt.
Das würde suggerieren, daß die Gegner des Berliner KoKWs Vattenfall gleichzeitig vorgeschrieben hätten, für das alternative Biomasse-Kraftwerk das Holz aus Liberia zu importieren. Das ist aber nicht der Fall, sondern Vattenfall hat sich (nach meinem Kenntnisstand) aus ökonomischen Gründen für diesen Lieferweg und nicht für eine regionale Lösung entschieden. Und nur mal am Rande: der Autor dieses Kommentars ist weit davon entfernt, Vattenfall freundlich zu sein – trotzdem würde selbst ich mir anders als Herr Kopp erst nach fundierten Recherchen anmaßen, den Import von Totholz (Eigenaussage von Vattenfall) pauschal zu kritisieren.
Übrigens wäre es an dieser Stelle von Herrn Kopp schön gewesen, neben dem geplanten Vattenfall Kraftwerk am Haferkampsweg auf ein Hamburger Projekt hinzuweisen, daß deutschlandweit z.Zt. einmalig ist. Nämlich das Projekt eines Energiebunkers in Altona als Biomassekraftwerk in Bürgerhand mit 3-4 MW Leistung, genossenschaftlich betrieben. So sieht nämlich die Energiewende auch aus: Energie in und aus Bürgerhand, was gleichzeitig die Herrschaft der Energiekonzerne bricht. Mit ein wenig Rechercheaufwand läßt sich das Projekt detailliert und fundiert im Internet finden und nachlesen.


Kommen wir zurück zum Artikel von Herrn Kopp:


Damit ist klar: Alle drei Erzeugungswege - Biomasse, Solaranlagen und Windkraft - können nur in begrenztem Maße in Hamburg ausgebaut werden und sind allein nie in der Lage, die Stadt mit der nötigen Energie zu versorgen.
Interessant, daß Herr Kopp Erzeugungswege wie Biogas und Geothermie gar nicht erwähnt. Der Grund erschließt sich mir nicht.



Dazu bedarf es einer weiteren riesigen Energieerzeugungsanlage. Die steht in Moorburg. Das Kohlekraftwerk, das dort gebaut wird, hat eine Leistung von 1640 Megawatt, also ungefähr zweimal so viel wie das Atomkraftwerk Brunsbüttel. Es wird in der Lage sein, 80 Prozent des Strombedarfs der Stadt zu decken.



Zu diesem „Argument“ habe ich ja direkt am Anfang etwas geschrieben. Aber jetzt läuft die Argumentation seitens Herr Kopp leider völlig aus dem Ruder:



Moorburg hat Vorteile und Nachteile. Sein größter Vorteil ist, dass das Kraftwerk mitten in der Stadt steht.
Aha. Fragen Sie, Herr Kopp, doch bitte mal die Wilhelmsburger Ärzteschaft, was die von dem „Standort mitten in der Stadt“ halten. Ich gebe Ihnen vorab schon mal ein paar Infos mit auf dem Weg: Der Verein „Wilhelmsburger Ärzteschaft“ warnt: Moorburg wird laut Planungen einen zusätzlichen Ausstoß von ca. 400 Tonnen Feinstaub verursachen: das sind ca 200 Gramm für jeden Bürger Hamburgs + Umland! "Ein Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und Atemwegserkrankungen wird von niemand angezweifelt", so die Ärzteschaft. Dazu kommen 8 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) jährlich zusätzlich aus dem KoKW. Zitat Wilhelmsburger Ärzteschaft:
Leider sind es gerade kinderreiche Stadteile wie Wilhelmsburg, Veddel, Rothenburgsort, Billstedt, die gesundheitsschädigenden Umweltfaktoren in besonderer Weise ausgesetzt sind.

Ok, dann Schreibt Herr Kopp weiter:

Die Zeit der Abhängigkeit von Versorgungsleitungen aus dem Umland sind vorbei.
Auch völliger Quatsch. Herr Kopp selber schreibt zwei Zeilen weiter:
Also kann Moorburg nur eine Übergangslösung sein. Für zehn, vielleicht 20 Jahre.
Und was kommt also danach? Genau, eine dezentrale Stromversorgung auch aus dem Umland. Die Übertragungsnetze müssen also ausgebaut werden.
Weiter Kopp:

Zudem liefert Moorburg nicht nur Strom, sondern auch Fernwärme für 400 000 Haushalte.
1. Fehler: Vattenfall liefert heute durch die KoKW Tiefstack und Wedel an ca. 400.000 Haushalte Fernwärme. Die Fernwärme aus dem KoKW Moorburg soll das Fernwärme-KoKW Wedel ersetzen, das heute ca. 180.000 Haushalte beliefert. Da hat Herr Kopp also leider etwas bei den Zahlen verdreht.
2. Fehler: Die Fernwärmeleitung gibt es noch nicht und wird voraussichtlich auch nicht mehr genehmigt werden. Damit fällt die Fernwärme aus dem KoKW Moorburg weg.
Kopp; 
Auf der anderen Seite stößt es trotz eines respektablen Wirkungsgrads von 46,5 Prozent acht Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in die Luft.

Nun ja, 46,5% halten nur die skrupellosen Befürworter eines KoKW für „respektabel“. Zum Vergleich: die kleinen Haus-BHKWs, die Herr Kopp auch erwähnt, haben in der Regel einen Wirkungsgrad von 92%.
Wieder Kopp:
Für das Klima ist das schädlich, und zur Energiewende trägt das Kohlekraftwerk auch nicht bei, da diese ja den kompletten Wechsel zu regenerativen Energieanlagen vorsieht. Also kann Moorburg nur eine Übergangslösung sein. Für zehn, vielleicht 20 Jahre.
Der Sinn eines Betriebs eines neuen KoKWs für 10-20 Jahre erschließt sich weder mir noch (davon bin ich überzeugt) den Herren von Vattenfall. Hier wäre ich an einer Gesprächsrunde mit Herrn Kopp und Herrn Wasmuth sehr interessiert, wo Herr Kopp Vattenfall auf die Begrenzung von Moorburg auf 10 Jahre einschwört … (nicht, daß selbst 10 Jahre zu lang und ökonomisch und ökologisch unsinnig sind, aber interessieren würde es mich schon).
Überhaupt ist es sehr lustig, daß Herr Kopp sich ausgerechnet den Hamburger Vattenfall Chef als Stichwortgeber für seinen Artikel ausgesucht hat, also den Mann, der qua seines Amtes genau NICHT für die Energiewende in Hamburg stehen kann, sondern aus Sicht von Vattenfall (sogar nachvollziehbar) alles (vattenfall)mögliche GEGEN die Energiewende tun muß, damit seine überkommenen Kraftwerke wie Wedel, Tiefstack, Brokdorf und (vielleicht) Moorburg so lange wie möglich noch laufen!
Innovativ von Herrn Kopp wäre es gewesen, z.B. Wissenschaftler an den Lehrstühlen von HCU und HAW zu befragen, die sich tatsächlich mit dem Umbau der HH Energieversorgung beschäftigen ... oder Herrn Hohmeyer von der Uni Flensburg um Mitglied im SRU. Oder mindestens, wenn schon Wasmuth zu Wort kommt, dann auch die Vertreter der Umweltschutzverbände mit ihren Szenarien zu Wort kommen lassen.



Ich möchte zum Ende kommen …
Niemand hat gesagt, dass die Energiewende billig ist - aber sie ist zu schaffen.

Erstaunt bin ich, daß Herr Kopp tatsächlich mit solch einer „offenen“ Aussage endet. Denn anders als die meisten Punkte in seinem Artikel ist diese Aussage tatsächlich zutreffend. Denn
  1. ja, die Energiewende ist zu schaffen
  2. ja, sie ist nicht billig, denn sie ist es wert.

Wichtig ist nur, auf die Details zu gucken:
und dann müßte es heißen:
ja, die Energiewende ist zu schaffen, auch trotz eines KoKW Moorburg.
In dem Sinne, Herr Kopp, sehen Sie bitte meine Kritik als Ansporn, und ich freue mich auf die weiteren Artikel der
Neue "Welt"-Serie: So ändert sich die Energieversorgung in Hamburg - Welche Auswirkungen der schrittweise Übergang zu Windkraft und Co. für die Hansestadt hat.

Montag, 25. Juli 2011

Was haben das Schanzenfest und die Cyclassics gemeinsam?

Beide Ereignisse lösen einen Großeinsatz der Polizei aus:
Neben den erwarteten Ausschreitungen am Rande des Schanzenfestes fürchtet die Polizei, dass die Cyclassics wegen der Beteiligung des Sponsors Vattenfall an Atomkraftwerken von Demonstrationen begleitet werden könnten.
Quelle:
http://www.ndr.de/regional/hamburg/polizei1627.html

Aber wie habe ich das zu verstehen? Sind also dieses Jahr Wasserwerfer die offiziellen Begleitfahrzeuge der Cyclassics? Das verspricht dann ja in der Tat ein "heißes" Rennen zu werden ....

Freitag, 22. Juli 2011

Die Illusion zerplatzt ...

… daß es wenigstens in scheinbar renommierten, weil nach journalistischen Mindeststandards arbeitenden Zeitungen eine interne Kontrolle darüber gibt, ob Autoren einen recherchierten objektiven Beitrag nach journalistischen Regeln oder einfach ihre Privatmeinung veröffentlichen.
Ausgelöst hat dieses resignative Resume bei mir die ZEIT. Im Themenkomplex „Energie“ hat „DIE ZEIT“ leider ihre fachliche Kompetenz fast vollständig verloren, weil sie das Thema wiederholt Herrn Frank Drieschner als Autor überläßt. Herr Drieschner bezeichnet sich nach Eigenaussage als früher aktives Mitglied der Anti-AKW Bewegung. Was auch immer seine Abkehr aus dieser Bewegung ausgelöst hat: eine sachliche Auseinandersetzng mit dem Thema Atomausstieg, Energiewende und Klimaschutz gelingt ihm in seinen Artikeln wiederholt und nachweislich nicht (mehr).

Herausragendes Beispiel war bisher sein Artikel „Die Atom Lüge“ aus DIE ZEIT, 4.11.2010 Nr. 45.

Der Artikel zeichnete sich durch besondere Unkenntnis der heutigen Anti-AKW Bewegung aus und ignorierte bereits damals sämtliche Möglichkeiten, welche die regenerativen Energien heutzutage bieten. Eine entsprechende Replik gab damals Christiane Grefe in ihrem Kommentar „Von wegen Lüge“.

Jetzt hat Herr Drieschner in der ZEIT wieder zugeschlagen: „Die Illusion zerplatzt“ in der aktuellen Ausgabe 30/2011 auf Seite 7 (NACHTRAG 27.07: jetzt ist der Artikel HIER online). Die Unterschlagzeile des Artikels lautet: „Mit dem Atomausstieg riskiert Deutschland seine Klimaschutzziele“. Und schon legt Drieschner los:
„Die Energiewende ist beschlossen: Sie nimmt Gestalt an – aber sie wird anders aussehen, als Deutschlands Atomkraftgegener und eigentlich das ganze Land sie sich erträumt haben: ungemütlich, teurer, und, vor allem, verheerend für das Klima. Nicht Wind und Sonne allein werden den Strom von morgen erzeugen. […] Und es gibt eine erstaunliche Nachricht aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Vom Jahr 2013 an „soll der erforderliche Neubau“ von Kohle- und Gaskraftwerken öffentlich gefördert werden – mit Geld aus dem Klimafonds.“

Der Autor suggeriert bereits mit diesen einleitenden Zeilen, als wäre die Anti-AKW Bewegung schuld daran, daß die Bundesregierung selbst trotz des beschlossenen Atomausstiegs nicht konsequent auf einen möglichst schnellen Umstieg der Erzeugung durch regenrative Energien setzt.

  1. „verheerend für ein Klima“ …. wie soll man als interessierter LeserIn mit dieser polemischen Aussage umgehen? Worin besteht denn jetzt und heute das „verheerende“ für das Klima, was direkt mit dem deutschen Atomausstieg zu tun hat? Ich sehe nur weit und breit Initiativen wie BUND, Robin Wood, NABU, Greenpeace, ausgestrahlt, die BI Lüchow-Dannenberg, Moorburgtrasse-stoppen usw. , die sich sämtlich für den Atomausstieg UND den Kohleausstieg einsetzen. Die regierende Politik (und SPD) ist es doch, die trotz besseren (allgemeinen) Wissens immer noch auf Kohlekraft und die Energiekonzerne als tragende Säule setzt.
  2. Was sich genau in dieser Aussage widerspiegelt: „Vom Jahr 2013 an „soll der erforderliche Neubau“ von Kohle- und Gaskraftwerken öffentlich gefördert werden – mit Geld aus dem Klimafonds.“
    Zu Ihrer Information, Herr Dreschner: das ist Regierungspolitik! Nicht die Politik und nicht der Wille der Anti-AKW Bewegung. Und das wissen Sie auch, da es in den letzten Tagen genug Pressemitteilungen obiger Initiativen gerade zu dieser Förderung gab. Drieschner schreibt dazu dann selbst lapidar ein paar Zeilen später:
    Entsprechend heftig sind die Reaktionen. Subventionen für Kohlestrom – das seien Nachrichten aus »Absurdistan«, schimpft BUND-Chef Hubert Weiger. Die Grünen und auch einige Sozialdemokraten sind nicht amüsiert.
Aber warum der BUND das sagt ... das schreibt Herr Drieschner nicht.

Auf dem Niveau geht es weiter …. eine ganze Seite in der gedruckten ZEIT: ganz viel Polemik, wenig Fakten, noch weniger Quellenangaben, und wenn, dann meistens aus dem Zusammenhang gerissen und verkürzt.
Ich stelle mir die grönemeiersche Frage: Was soll das?

Der Autor bietet ein Sammelsurium an Aussagen, die er zu einer Polemik zusammenzimmert. Einer Polemik gegen die Anti-AKW Bewegung. Das ist ja grundsätzlich auch ok, wir leben in einem Land mit freier Meinungsäußerung, und seitens eines bezahlten Lobbyisten der Atom-Konzerne erwarte ich auch entsprechendes „value for the money“. Aber: ist eine solche Polemik auf der Seite 7 der gedruckten ZEIT im Ressort „Politik“ seitens eines ZEIT Redakteurs richtig aufgehoben? Ich sage: nein. Dort erwarte ich einen fundierten recherchierten Artikel, der pro und contra abwägt und nicht die handelnden und verursachenden Personen verwechselt. Oder akzeptiert DIE ZEIT wissentlich einen Atomenergie-Lobbyisten als Redakteur bei sich? Dann sollten bitte in Zukunft Herrn Drieschners Artikel mit dem kleinen Wort "Werbung" gekennzeichnet werden.

Der letzte Absatz des Artikels lautet:
„Und der Klimaschutz? Seine ehrgeizigen Ziele kann Deutschland vergessen. Strom sparen, notfalls mit harten Einschnitten, das ist vermutlich das einzige, was nun noch hilft, wenigstens ein bisschen. Aber um damit rasch zu beginnen, muß sich das neue grüne Deutschland von der Illusion verabschieden, es habe der Welt mit seinem Atomausstieg einen Dienst erwiesen.“

Aha. Die Klimaschutzziele können wir also deswegen vergessen, weil aktuell 8 AKWs abgeschaltet wurden und ansonsten noch gar nichts passiert ist? Also weder ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gegangen ist noch der Bau neuer KoKW beschlossen wurde? (Am Rande: seit Fukushima werden bereits die Pläne für neue KoKW in Deutschland beerdigt, weil auch künftig unrentabel. Beispiel: Krefeld).
Und Deutschland ist bereits heute „ein grünes Deutschland“? Wer definiert das? Und wie definiert man das? Und was sagt es uns, wenn es „grün“ ist? Bisher bin ich (im Gegensatz zu Herrn Drieschner ziemlich „grün hinter den Ohren“) davon ausgegangen, daß „grün“ irgendetwas mit Umwelt- und Klimaschutz zu tun hat. Aber jetzt lerne ich durch Herrn Drieschner, daß genau dieses „grüne Deutschland“ das Weltklima bedroht! Ich wäre ja bereit umzudenken, Herr Drieschner, aber belegen müßten Sie Ihre Aussage schon, warum das jetzt so ist.
Und da Sie, Herr Drieschner, als letztes „vom Dienst erweisen“ sprechen: Sie erweisen sich, der schreibenden Zunft und der ZEIT einen Bärendienst, wenn Sie weiterhin auf diesem Niveau Artikel zum Thema „Energie“ verfassen. Denn damit verabschiedet sich DIE ZEIT als meinungsbildendes Medium aus einer der beherrschenden Diskussionen der kommenden Jahre.

Nachtrag: 28.07.
Es gibt jetzt auch eine fachliche Erwiderung auf den ZEIT-Artikel von Herrn Wieschner. Verfaßt hat diesen Joachim Nitsch. Herr Nitsch ist Hauptautor der sogenannten  Leitstudie des Bundesumweltministeriums, einer regelmäßig     fortgeschriebenen    Analyse     der     deutschen     Energiewirtschaft     unter Umweltgesichtspunkten.  
Auf die Erwiderung von Nitsch hat wiederum Wieschner geantwortet.
Nett sind seine einleitenden Worte:
Das   Schöne  an   seiner [Nitsch] Erwiderung   ist,  dass   sie   die  Debatte   weg  vom ungefähren Meinen in den Bereich der nachprüfbaren Tatsachen führt.
Schön, Herr Wieschner, dann wäre ja geklärt, daß Ihr Ausgangsartikel in der ZEIT tatsächlich nur eine billige schlecht recherchierte Polemik gegen den Atomausstieg war. Und leider geht Ihre Erwiderung auch nicht auf die Fakten ein, die Herr Nitsch in seinem Fachbeitrag aufzeigt.


P.S. Herr Drieschner wußte auch schon am 24.02. direkt nach der Wahl in HH, daß das neue (direkte) Hamburger Wahlrecht verantwortlich war für die geringe Wahlbeteiligung - da zu kompliziert. Blöd nur, daß eine Studie genau diesen Zusammenhang jetzt widerlegt hat.