Sonntag, 15. November 2020

Veranstaltungsreihe zum Thema „Nutzung von Buschbiomasse aus Namibia“

Das Netzwerk hamburg.global, das Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit (ZMÖ), die Hamburger Universität für angewandte Wissenschaften (HAW) und der Zukunftsrat Hamburg laden zu einer dreiteiligen Online-Veranstaltungsreihe ein, um durch Referent*innen aus Namibia und Deutschland die Hintergründe und grundsätzlichen Ziele einer möglichen Partnerschaft zwischen Namibia und Hamburg auf Basis sogenannter Buschbiomasse vorzustellen. Dabei soll auch über den Stand der Diskussionen in den Arbeitsgruppen des von der Behörde für Umwelt, Energie, Klima und Agrarwirtschaft (BUKEA) durchgeführten Prüfprozesses zu dieser Partnerschaft berichtet und zu einer öffentlichen Diskussion angeregt werden.


Teil I Das „Biomasse-Namibia-Projekt“- Einführung zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten (Do, 26. November 17:00 – 20:00)

Teil II Energietechnik und CO2 Bilanz der Lieferkette (Di, 1. Dezember, 17:00 – 20:00)

Teil III Entwicklungspartnerschaft mit Namibia?

Postkolonialismus, Landfrage, menschenwürdige Arbeit (Di, 8. Dezember 17:00 – 20:00)

Diese Ankündigung dient als „save the date“. Sie haben aber heute schon die Möglichkeit, sich über die folgende Registrierungsseite zu den einzelnen Abenden anzumelden: https://www.eventbrite.de/e/namibia-bush-thinning-registration-128783746653
S
ie können sich für alle drei oder einzelne Abende anmelden. Die genaue Agenda für die einzelnen Abende wird demnächst veröffentlicht. Wenn Sie sich angemeldet haben, wird Ihnen die Tagesordnung zusammen mit den Zugangsdaten für die Konferenz automatisch per email zugesendet.


Zum Hintergrund:


Die globalen Klimaprobleme und der Verlust der Biodiversität verweisen nicht nur auf die Dringlichkeit zu handeln, sondern auch auf die Wechselbeziehungen und Zusammenhänge der nötigen Lösungsstrategien.

In diesem Spannungsfeld steht auch der dramatische ökologische und klimarelevante Funktionsverlust der Savannenlandschaft in Namibia durch „bush-encroachment“(Verbuschung). Diese Verbuschung nimmt seit mehreren Jahrzehnten bedingt u.a. durch den Klimawandel und Überweidung immer weiter zu und ist wissenschaftlich unumstritten. Sie verringert gravierend die Grundwasserspeicherung, Artenvielfalt und vermindert in besonderer Weise die Fähigkeit der natürlichen Grassavanne, als CO2 Senke zu wirken. Andererseits wirkt auch die Buschbiomasse als CO2 Senke. Die Verbuschung betrifft inzwischen eine Fläche von ca. 450.000 km2 (ca. die Größe Schwedens). Jährlich nimmt diese Fläche um ca. 3% (ca. die Größe Schleswig-Holsteins) auf Kosten von Savannenlandschaften bzw. Weideland zu.


Daher hat die namibische Regierung ein kontrolliertes „bush-thinning“ nicht nur zu einem Schwerpunkt ihres 5. Nationalen Entwicklungsplanes gemacht, sondern auch um internationale Partnerschaft und Unterstützung ersucht. Denn obwohl seit einigen Jahren vor Ort versucht wird, das Buschholz als Biomasseprodukte (z.B. Holzhackschnitzel, Viehfutter, Holzkohle) sinnvoll zu verwerten, ist dies eine viel zu geringe Menge im Vergleich zu der wachsenden Ausbreitung und ist nicht dafür geeignet, bereits großflächig verbuschte Flächen für Wildtiere und eine landwirtschaftliche Nutzung zurückzugewinnen. Auch der sinnvolle Einsatz von Buschbiomasse zum Zweck der Stromproduktion ist in Namibia selbst stark begrenzt, da vor Ort Sonne und Wind wesentlich preiswerter zur Verfügung stehen und die bei der Verbrennung der Buschbiomasse entstehende Wärme nicht benötigt wird.


Da also die Busch-Biomasse grundsätzlich in großem Umfang geerntet werden muss und diese Menge eine Nutzung vor Ort übersteigt, sucht Namibia Exportpartnerschaften.
Vor diesem Hintergrund und von Forschungsinstituten, namibischen Umwelt- und Farmerverbänden und der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) unterstützt, hat die namibische Regierung Anfang 2020 Hamburg gebeten, eine „Buschbiomasse-Partnerschaft“ zu prüfen. Die Federführung für diesen im Mai 2020 begonnenen ca. einjährigen Prüfungsprozess liegt bei der Hamburger Behörde für Umwelt, Energie, Klima und Agrarwirtschaft (BUKEA). Die BUKEA hat dabei ausdrücklich Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und die Hamburger Wissenschaft eingeladen, sich in dem Prüfungsprozess einzubringen.
Der mögliche Anwendungszweck in Hamburg reicht von einem Einsatz von Holzpellets aus Buschholz im Kohleheizkraftwerk Tiefstack oder den Bau eines neuen Biomasse-Heizkraftwerks für die Fernwärme bis zur gemeinsamen Entwicklung von Biomass-to-Liquid-Verfahren in Namibia und Hamburg, um künftig klimafreundliche Kraftstoffe herzustellen.
Dabei wird die Menge an Buschholz, die von städtischen Unternehmen in Hamburg genutzt werden könnte, nach den bisher vorliegenden Annahmen und Unterlagen aus Namibia stets nur einen Bruchteil der in Namibia nachhaltig verfügbaren Mengen ausmachen.

Die Überlegung, Biomasse in einem großen Maßstab zur Energieerzeugung einzusetzen, und dann auch noch ca. 11.000 km entfernt vom Ursprungsort, erfordert einen besonderen Blick auf die Hintergründe und die komplexen Fragen, die damit verbunden sind.

Das Netzwerk ‚hamburg.global‘, das ‚Zentrum für Mission und Ökumene - Nordkirche weltweit‘ (ZMÖ) sowie der Zukunftsrat Hamburg haben daher seit Mai 2020 eine offene Prozessgruppe eingerichtet, um den offiziellen Prüfprozess der BUKEA aktiv und kritisch-konstruktiv zu begleiten – mit z.B. den Fragen:
Ist eine Biomasse-Nutzung in Hamburg tatsächlich klimaökologisch vertretbar?

Wie kann ein solches Projekt – sowohl in Namibia als auch in Hamburg - nachhaltig ausgestaltet werden?

Wie kann ein Großteil der Wertschöpfung in Namibia stattfinden und eine Teilhabe breiter Bevölkerungsteile auch außerhalb direkt profitierender Interessengruppen sichergestellt werden?
Wie kann ein Rückfall in bisherige Nutzungsmuster in der Viehhaltung („Überweidung“) auf den wiederhergestellten Savannenflächen verhindert werden?

Wie sollte der koloniale Hintergrund zwischen Namibia und Hamburg angemessen Berücksichtigung finden?


Die drei Veranstaltungen sollen und können nicht dazu dienen, alle diese Fragen zu beantworten. Sie sollen vielmehr dazu führen, der interessierten Öffentlichkeit die Vielschichtigkeit des Themas darzulegen und einzuladen, an dem Prüfungsprozess zwischen Namibia und Hamburg teilzunehmen.

Die BUKEA hat Anfang November eine Webseite mit ausführlichen Informationen zum Thema „bush-encroachment“ und dem Prüfungsprozeß der Partnerschaft eingerichtet:

https://www.hamburg.de/energiewende/namibia-biomass-partnership/

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