Freitag, 25. November 2011

Wie die Energiekonzerne rechnen

 Die "Zeitung für kommunale Wirtschaft" (ZfK) brachte am Mittwoch, 23.11., eine Meldung, wie die Konzernleitung von Eon die geplanten Stellenkürzungen auf Betriebsversammlungen begründet:

In Betriebsversammlungen an den Standorten München, Essen, Hannover und Düsseldorf hat Eon die Mitarbeiter über Details zum geplanten Stellenabbau informiert.

Demnach werde sich die Zahl der einzusparenden Arbeitsplätze „am oberen Ende der bisher genannten Bandbreite von 9000 bis 11 000 bewegen“. Besonders betroffen sind   die Standorte München, Düsseldorf und Hannover. Hier verringert sich die Belegschaft um 1500, 1300 und 1000 Mitarbeiter. Darüber hinaus sind auch flächendeckende Personaleinsparungen in Bereichen wie Finanzen, Personal, Rechnungswesen oder Recht im Umfang von 30 – 40% der Arbeitsplätze vorgesehen. Ein Großteil des geplanten Stellenabbaus lässt sich bislang nicht geografisch zuordnen. Der Einschnitt sei notwendig geworden, da sich die Märkte dramatisch verändert haben. Auf dem europäischen Energiemarkt gebe es Überkapazitäten und einen Preisverfall. Auch der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland habe eine Rolle gespielt, erklärte der für die Umsetzung des Konzernumbaus zuständige Vorstand Dr. Bernhard Reutersberg gegenüber Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe. „Wir wollen Teil der Energiewende sein. Dafür brauchen wir auch finanzielle Möglichkeiten und schlankere Strukturen“, wird er zitiert. (ad) 

In einem Gastbeitrag für stop-greenwashing.org kommentiert Peter Klemm kurz und knackig diese Begründungen der Konzernleitung:

In der Energiebranche liegt der Produktivitätszuwachs im Bereich von 2% pro Jahr (Infos der Bundesnetzagentur). Seit 2000 liegt dieser Zuwachs somit insgesamt bei 20%.
Dieser Produktivitätsfortschritt ist für sich genommen eine sehr gute Sache, weil er erlauben würde die Arbeitszeit der Beschäftigten um etwa 20% zu senken, ohne die Löhne zu verändern. EON will diesen Produktivitätsfortschritt aber nur für sich nutzbar machen und seinen Profit erhöhen. Der Fortschritt soll dazu dienen, die Arbeitskraft überflüssig zu machen.
"Der Einschnitt sei notwendig geworden, da sich die Märkte dramatisch verändert haben. Auf dem europäischen Energiemarkt gebe es Überkapazitäten und einen Preisverfall", so die Sprechweise.
Wenn es Überkapazitäten gibt, muss man Atomkraftwerke abschalten! Und das erzwungene Abschalten einiger weniger AKWs wäre doch ein vortrefflicher Schritt in den Abbau jener angegebenen Überkapazitäten gewesen. Wenn es einen Preisverfall gäbe, müssten die Preise gesenkt werden, aber kürzlich hat Vattenfall eine Preiserhöhung um 7% angekündigt.
In Wirklichkeit sollen den Wind- und Solaranlagenbetreibern die Entlassungen in die Schuhe geschoben werden. Diese bösen Bürger errichten fleißig neue Anlagen, mit denen sie sowohl die neuen KoKWs immer überflüssig machen, als auch die regenerativen Großkraftwerkabsichten (Desertec, Nortec) der Konzerne praktisch in Frage stellen. Übrigens gilt, was den Stellenabbau von Eon angeht, das gleiche für Vattenfall in Hamburg. Nur die sich im Falle von Entlassungen verschlechternde Position (Image) in der Diskussion um den künftigen Betrieb der Energienetze in Hamburg und die hierfür dringend benötigte Unterstützung hindert Vattenfall daran, die bereits angekündigten Entlassungen durchzuführen.



Peter Klemm lebt als pensionierter Lehrer in Hamburg und zeichnet sich auch als ATTAC – Mitglied basisdemokratisch orientiert aus. Außerdem ist er aktiv im Solarenergie-Förderverein, im AK-Frieden des
DGB Hamburg und ehemaliger Sprecher des Bundes der Energieverbraucher Hamburg.



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