Donnerstag, 27. Oktober 2011

Vattenfall lügt und die Medien machen sich zum Affen

Aktualisierung 1.11.2011
eine aufmerksame Leserin hat mich auf eine Meldung im Hamburger Abendblatt hingewiesen. Die Überschrift lautet:
Nun ist diese Meldung aber nicht vom 1.11.2011 ... sondern vom 23.01.2009!
Die damaligen Reaktionen laut Abendblatt-Artikel:
Die Vorwürfe reichen von "Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Vattenfall" über "Wortbruch" bis hin zu "gezielte Täuschung". In der Kritik an der Entscheidung Vattenfalls, den Kraftwerksstandort Wedel nun doch nicht aufgeben zu wollen, herrschte gestern ungewohnte Einigkeit bei Regierungspartei, Opposition und Umweltverbänden.
Bisher hatte es geheißen, Vattenfall wolle im Gegenzug zum Bau des Kraftwerks Moorburg den Standort in Wedel aufgeben. Gestern hatte das Unternehmen dem Abendblatt bestätigt, dass sich diese Pläne, mit Verweis auf die unsichere Situation in der Energiepolitik, mittlerweile geändert hätten. (Hervorhebung seitens stop-greenwashing)
Jetzt schiebe ich noch kurz ein, daß der gerichtlich erwirkte Baustopp gegen die Moorburgtasse erst am 24.2.2010 erreicht wurde ... und nun bitte ich, den geneigten LeserIn mit diesen Informationen im Hinterkopf die untenstehenden "aktuellen" Meldungen zu beurteilen.
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Als Hamburger erlebe ich es immer wieder, daß sich die heimischen Medien in Bezug auf Vattenfall wie die berühmten 3 Affen verhalten: „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“.

Was ist heute passiert, so daß ich zu diesem drastischen Vergleich greife?

Eigentlich: nichts.

Denn Radio NDR 90,3 berichtet in einem Beitrag unter dem Titel "Kraftwerk in Wedel soll viel länger rauchen" über die "Neuigkeit", daß laut Vattenfall das KoKW in Wedel statt 2013 erst 2017 vom Netz gehen soll.
Diese Neuigkeit ist deswegen eine Nichtigkeit, weil bereits Anfang Juni das Wedel-Schulauer Tageblatt dies berichtete. Zitat:

Das Kraftwerk aus dem Jahr 1961 diene in erster Linie der Wärmeerzeugung, Strom sei nur ein Nebenprodukt. Mit 390 Megawatt ist die Leistung der Anlage angegeben. 180 000 Wohneinheiten versorgt sie in der Hansestadt mit Fernwärme. Diese Aufgabe sollte 2013 das neue Vattenfall-Kraftwerk Moorburg übernehmen. Wie berichtet muss die Leitung dafür aber noch das Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Das bedeutet eine Verzögerung im Zeitplan des Energie-Riesen von rund zweieinhalb Jahren. Laut Kleimeier soll nach der Heizperiode 2016/2017 umgeschaltet werden auf Moorburg-Wärme. Wedel geht dann zunächst in den Reserve-Betrieb, bis die Anlage ganz abgeschaltet wird.
Auch stop-greenwashing schrieb damals darüber, Spiegel Online, Abendblatt, ...
Ok, bis hierhin könnte man sagen: einfach schlampig recherchiert.
Aber 90,3 befragt nun ausgerechnet den Vattenfall Pressesprecher nach den Gründen der Verzögerung.
Und bringt unkommentiert dessen Meinung:
"Wir gehen davon aus, dass wir Wedel erst 2017 abschalten können", erklärte Unternehmenssprecher Stefan Kleimeier am Dienstag NDR 90,3. Denn: Hamburg werde vorerst auf den Fernwärmeversorger im Westen der Stadt angewiesen bleiben.
Grund für die Verlängerung in Wedel sind demnach die Verzögerungen beim Bau einer neuen Fernwärmeleitung in Hamburg. Der Widerstand gegen den Bau ist vor allem in Altona massiv. Protestler harrten wochenlang bei Minustemperaturen im Gählerpark aus. Umweltschützer und Anwohner klagten ein Mitspracherecht bei den Planungen ein.
"Schuld" sind also die bösen Umweltschützer. Mal abgesehen davon, daß alle Umweltschützer und Anwohner verdammt stolz auf sich sein können, dem ungesetzlichen Vorhaben bisher die Stirn geboten zu haben:
1. warum hat 90,3 nicht noch eine zweite unabhängige Meinung zu Ursache und Wirkung eingeholt?
2. Umweltschützer und Anwohner haben kein "Mitspracherecht" (hätten wir das, gäbe es die Trassenplanungen nicht mehr)
3. auch wenn Vattenfall schon 2009 alle Anwohner und Umweltschützer aus dem Weg geräumt hätte, müßte Wedel bis 2017 laufen ...

denn Fakt ist: Vattenfall selber hat schon im Frühsommer selber zugegeben, daß es die Stahlprobleme beim KoKW sind, die zu noch längeren und vor allem noch nicht abschätzbaren Verzögerungen bei der Inbetriebnahme führen:
http://stop-greenwashing.blogspot.com/2011/06/vattenfall-kan-es-einfach-nicht-folge.html

da hieß es im Spiegel:
Beim Vattenfall-Kraftwerk im sächsischen Boxberg ersetzt man nach SPIEGEL-Informationen bereits den T24-Stahl durch herkömmliche Werkstoffe. Im Fall des Kraftwerkneubaus in Hamburg-Moorburg hat Vattenfall entschieden, den alten Meiler in Wedel noch ein paar Jahre am Netz zu lassen. Die Folgen des Materialfehlers in den neuen Kohlekraftwerken dürften auch die Verbraucher spüren: "Die zeitliche Verschiebung der zukünftigen Kapazitäten wird sich preistreibend auswirken", erklärt Vattenfall-Sprecher Stefan Müller.

Das hörte sich also ganz anders ... sprich: ehrlicher an, was da Herr Müller sagte.

Aber jetzt steht am 18.11. der Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren zur Moorburgtrasse vor der Tür. Da schwächt eine solche Ehrlichkeit natürlich die Verhandlungsposition, wenn es darum geht, JETZT eine Trasse bauen zu wollen, deren Einspeiser noch auf Jahre nicht zur Verfügung stehen wird.

Daß die Verantwortlichen bei Vattenfall hier mal wieder lügen, ist enttäuschend. Genauso enttäuschend ist aber, daß auch die öffentlich-rechtlichen Medien diese Lügen auch noch weiterverbreiten.

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