Donnerstag, 29. September 2011

Vattenfalls seltsames Demokratieverständnis

Handelskammer die Zweite:

Bereits im September 2010 gab es eine öffentliche Diskussionsveranstaltung in Berlin zum Thema "Pflichtmitgliedschaft in IHK und Handwerkskammer: Sind IHK und Handwerkskammer nötig?"
B.Z.-Chefreporter Gunnar Schupelius diskutierte mit Eric Schweitzer (IHK Präsident Berlin), Stefan Schwarz (Präsident der Handwerkskammer Berlin), Henner Schmidt (FDP) und Nina Scheer (Geschäftsführerin Unternehmensgrün) über die Vor- und Nachteile einer Zwangsmitgliedschaft in den Kammern.

Hintergrund: 
Die IHK und Handwerkskammer dienen als Selbstverwaltungsorgan der deutschen Wirtschaft: Sie sollen das Gesamtinteresse der Unternehmen vertreten. (Hervorhebung von uns) Seit 1955 sind alle deutschen Händler und Handwerker zu einer Mitgliedschaft in der jeweiligen Kammer verpflichtet.

Im Laufe der Diskussion gab es folgenden Dialog:

Schupelius: Kurze Antwort von Ihnen Beiden, Herr Schweitzer und Herr Schwarz, bitte. Was wäre, wenn Sie sagten: Ihre Leistungen sind so gut, die Unternehmen kommen alle freiwillig. Würde es funktionieren?

Schwarz: Ich glaube, es würde nicht funktionieren, da die großen Beitragszahler eine dominante Rolle einnehmen würden.

Schweitzer: Ich möchte ein einfaches Beispiel anführen. Die IHK Berlin hat vor zwei Jahren ein Papier zur Energieversorgung in Berlin vorgelegt. In diesem hat sie deutlich mehr Wettbewerb, eine Zerschlagung des Oligopols und dezentrale Kraftwerkstrukturen gefordert. Einer der größten Beitragszahler, Vattenfall, hat sich daraufhin beschwert, dass sie eine Million Euro Beitrag im Jahr zahlen und dann solch ein Papier herausgegeben wird. Genau deshalb gibt es Pflichtmitgliedschaften. Es würde sicher auch ohne diese funktionieren, aber man muss sich fragen: wie organisiere ich Prozesse in der Wirtschaft als Politik.

Und wenn man nun bedenkt, daß bekanntermaßen Vattenfall etliche Vertreter der Politik monetär unterstützt .....

Die gesamte Diskussion zum Nachlesen findet Ihr hier.





Samstag, 24. September 2011

Handelskammer Hamburg will nicht handeln

Ein Gastbeitrag eines Lesers zur Haltung der HK Hamburg in Bezug auf die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze:

Unter der Überschrift „Zu wichtig für politische Profilierungsversuche“ schreibt Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer (HK) Hamburg gegen die Rekommunalisierung der Energienetze im Editorial der Septemberausgabe des Magazins der Handelskammer.

Er schreibt:
„Auch hier drohen … Emotionen und politisches Kalkül an die Stelle von Fakten und Argumenten zu treten“ Und dann – kommen Emotionen und politisches Kalkül.

Es würde sich nach seinen Ausführungen recht wenig für Klima und Energiepreise ändern. Lassen wir erstmal so stehen. Von einem Vertreter der Wirtschaft würde ich mir wünschen, daß die Frage nach WETTBEWERB auch gestellt wird. Im Fernwärmenetz gibt es keinen Wettbewerb.
Die HK Hamburg, wie ich sie im persönlichen Gespräch kennen gelernt habe, ist hier der Auffassung, dass Ölheizung, Gasheizung oder Pellets ausreichend Wettbewerb gewährleisten. Hier ist genau politische Profilsuche gefragt. Solarthermische und geothermische Wärme wäre wirklich wirtschaftlich zu nutzen, wenn diese ein- und durchgeleitet werden darf. Auch Öl und Gas machen als integriertes System mit Fernwärmenetzanbindung deutlich mehr Sinn als einzeln. Ein Netzbetreiber könnte auch versuchen, überschüssige Prozesswärme von bestehenden Betrieben zu integrieren.Hat ein Netzbetreiber Vattenfall an all diesen Maßnahmen Interesse, wenn dadurch seine Groß(kohle)kraftwerke bedroht sind? Menschen bereits mit gesundem wirtschaftlichem Sachverstand können diese Frage beantworten, Herr Melsheimer beantwortet sie nicht.

Richtig schreibt Melsheimer, das die vom Netzeigentümer kalkulierten Preise und Kosten sowie der Gewinnaufschlag staatlicher Aufsicht unterliegen. Meines Wissens nach sind das 9,29% Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital.
Die Übernahme würde nach seinen Worten 2 Milliarden Euro kosten. Das bedeutet bei angenommenen 100% Eigenkapital demnach über 180 Millionen erlaubtem Gewinn pro Jahr, die Vattenfall derzeit vermutlich nach Schweden transferiert. (Das mit dem Eigenkapital wurschteln wir schon mit Mezzaninen Finanzierungen irgendwie hin)
„Gleichzeitig würden pro Jahr rund 90 Millionen Euro an Konzessionsabgaben wegfallen, die die bisherigen Konzessionäre an die Stadt zahlen“
Verstehe ich nicht. Also ich verstehe nicht, was daran schlimm sein soll. Die Hamburger Energieverbraucher müssen dann also 90 Millionen pro Jahr weniger zahlen und die Stadt hat 180 Millionen – 90 Millionen = 90 Millionen mehr. Oder 50 Euro pro Nase und Jahr.

Der Brüller: „Zudem darf bezweifelt werden, ob die Netzbewirtschaftung unter städtischer Regie so reibungslos und effizient erfolgt wie durch die privaten Betreiber.“ Hallo Herr Scheuerl, Frau Suding und jetzt auch Herr Melsheimer: Vattenfall ist kein privater Betreiber – Der Betreiber von Fernwärmenetz und Stromnetz Vattenfall ist schwedischer Staatskonzern.

Donnerstag, 15. September 2011

stop-greenwashing versteht jetzt und gratuliert Vattenfall

Daß der Wind Vattenfall richtig rau entgegenbläst, beweist die illustre Schar der Helfershelfer, die Vattenfall immer noch ein grünes Mäntelchen überwerfen möchten. Ist schon lustig, daß der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) gerade in dem Jahr, in dem die Hamburger auch noch Vattenfalls greenwashing Vorzeigeprojekt "Lesetage" mit der Gegenveranstaltung "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" gekapert haben, also gerade in diesem Jahr wird vom BDI an Vattenfall der "Deutsche Kulturförderpreis" verliehen.

Und folgendes sagte Pieter Wasmuth, Vattenfall Generalbevollmächtigter in Hamburg, laut http://www.bsozd.com dazu:
“Für uns ist der Kulturförderpreis eine Bestätigung unseres kulturellen Engagements. Dort wo Städte an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen sind die Unternehmen gefordert, Verantwortung zu übernehmen, um ein Mindestmaß an kultureller und sportlicher Vielfalt zu garantieren.”
Ähh ... ach so, jetzt verstehen wir Gimpel die ganze Sache: Weil Du, lieber Pieter, und Vattenfall die riesige Verantwortung für "ein Mindestmaß an kultureller und sportlicher Vielfalt" übernehmt (ohne Euch gäbe es also nur noch Tischkicker statt HSV und St Pauli bzw. Comics statt Brecht in Hamburg), deshalb ist es natürlich zuviel verlangt, daß ihr auch noch die Verantwortung für die Störfälle in den AKW Brunsbüttel und Krümmel in der Vergangenheit übernommen hättet, die Verantwortung für die Zerstörung der Umwelt und des Klimas durch den Bau des KoKW Moorburg in Hamburg und den geplanten Bau der Moorburgtrasse übernehmen werdet und die Verantwortung für die Zerstörung ganzer Dörfer und Landstriche in der Lausitz übernehmt (die Liste läßt sich noch fortsetzen) ...

Stimmt, wenn ihr nicht wärt, ginge die ganze Chose den Bach runter ... is klar. 

Also, herzliche Gratulation auch von stop-greenwashing!


Und nächstes Mal ladet ihr uns aber wieder ein, ok? Damit wir Euch doch auch wie beim ersten Mal auch Euren verdienten Preis überreichen können.

"Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" kommentiert die Preisverleihung ebenfalls.
In der TAZ gibt es auch einen netten Artikel.

Dienstag, 13. September 2011

Geheimverhandlungen statt öffentlicher Debatte

Die Zeitung "Die Welt" hatte in der vergangenen Woche unter der Überschrift "Vattenfall erwägt den Bau eines Gaskraftwerks in Hamburg" über geheime Verhandlungen zwischen Vattenfall und dem HH Senat berichtet. Dabei geht es um die Errichtung eines neuen GuD (Gas und Dampfturbinen) -Kraftwerks anstatt der bisher von Vattenfall geplanten Wärmeauskopplung aus dem Kohlekraftwerk Moorburg.

Wenn dasGuD-Kraftwerk Wirklichkeit wird, ist das grundsätzlich ein schöner Erfolg für den Klimaschutz. Es ist auch begrüßenswert, daß die Welt über das intransparente Vorgehen berichtet, vor allem, weil der HH Senat, in erster Linie wahrscheinlich der 1. BM Kohlaf von Scholz, hier zu seinem Vorteil zwei Sachverhalte zusammenlegt, die nicht zusammen in Verhandlungen mit Vattenfall gehören: Rekommunalisierung der Netze und die Moorburgtrasse. Aber der Artikel hat auch Schwächen.


Der Artikel stellt nicht heraus, daß das GuD-Kraftwerk, wenn es Wirklichkeit wird, von engagierten Hamburgern, insbesondere auch der Bürgerinitiative Moorburgtrasse-stoppen, und den Umweltschutzverbänden zusammen mit "unser Hamburg, unser Netz" erstritten wurde. Daß jetzt auf einmal auch Behörde und Politik die Vorteile für das Klima und die Hamburger erkennen, wenn die Trasse nicht kommt, ist schön, hat aber nichts mit gutem Willen von Vattenfall und dem SPD-Senat zu tun.

Kohlaf Scholz wollte noch im Sommer die Trasse unbedingt bauen, hat aber wegen des Volksbegehrens jetzt kalte Füße bekommen. Vattenfall steht bei der Moorburgtrasse genauso mit dem Rücken an der Wand, weil sie zum einen das greenwashing Argument „sauberer“ Fernwärme aus Hamburg nicht mehr aufrecht erhalten konnten, zum anderen wegen der Stahlprobleme überhaupt nicht klar ist, wann das KoKW Moorburg hätte Fernwärme liefern können.

Hier verbünden sich also zwei Verlierer aktuell hinter geschlossenen Türen gegen einen durch das Volksbegehren artikulierten öffentlichen Willen. Und das ist der eigentliche Skandal, den ich mir gewünscht hätte, daß ihn der Artikel thematisiert.

Wenn die Politik doch sieht, daß sie hier jahrelang auf das falsche Pferd gesetzt hat, dann sollte sie doch jetzt eine offene Diskussion über die künftige Wärme- und Energieversorgung Hamburgs anstreben. Aber nein, SPD und Vattenfall kuscheln wie in alten Zeiten. Nichts gelernt aus Stuttgart21. Demokratie sieht anders aus, Herr Scholz und Frau Blankau.

Übrigens ist Hamburg noch nie auf eine Stromerzeugung aus Moorburg angewiesen gewesen und wird es auch nie sein. Das kann jedeR feststellen, indem er/sie eine Lampe anmacht: Brunsbüttel aus, Krümmel aus, Wedel liefert primär Wärme: auch ohne das KoKW Moorburg haben wir Strom. Es gibt genug Studien, die belegen, daß wir auch in Zukunft die KoKW-Generation a la Moorburg zur Versorgung nicht brauchen werden, weil wir schon heute ein paneuropäisches Netz haben. Es ist genug Zeit, regenerative Kapazitäten aufzubauen. Warum dann immer noch in den Medien diese Falschbehauptung mit Moorburg als „Kraftwerk für Hamburg“ verbreitet wird, ist mir schleierhaft.



Freitag, 9. September 2011

Skepsis an Skeptiker führt zu Rücktritt

In den USA ist Klima"skeptizismus" bereits so weit verbreitet, dass es schon ganze Geschenkkollektionen für sie gibt, in Österreich führt das Leugnen der Erderwärmung immerhin zum Rücktritt. Die ganze Geschichte gibt es auf Klimaretter.info.

Mittwoch, 31. August 2011

Musterbeispiel für Greenwashing: Danone wird abgemahnt


Zur Abwechslung ein Beispiel aus dem Bereich "food": n-tv.de berichtet über den "Acitivia"-Joghurt von Danone. Dieser wird nun in Becher aus sogenanntem Biokunststoff abgefüllt. Der sei besser für die Umwelt, sagt Danone und druckt es auch auf die Packung. Trotz besseren Wissens, denn ein selber von Danone in Auftrag gegebenes Gutachten liefert genau dafür keine Beweise. Die "Deutsche Umwelthilfe" wirft dem Konzern deshalb zu Recht Etikettenschwindel vor.

Hier gibt es den gesamten Bericht.

Dienstag, 30. August 2011

Steigt Vattenfall aus?

Dirk Seifert, Energiereferent bei Robin Wood, faßt die augenblickliche Situation von Vattenfall im deutschen Markt zusammen.

"Die Gerüchte darüber, dass der schwedische Stromkonzern Vattenfall sich möglicherweise aus dem deutschen Energiemarkt zurückzieht, häufen sich. Anlaß für diese “Spekulationen” ist die laufende Umstrukturierung des Konzerns, aber auch viele wirtschaftliche Probleme."
Hier geht es zum ganzen Artikel. 

Montag, 29. August 2011

ROBIN WOOD fordert: Ehrung von Jane Goodall als Hamburger Umweltbotschafterin soll nicht bei Unilever stattfinden

Mit einem offenen Brief hat ROBIN WOOD heute die Stadt Hamburg aufgefordert, die weltberühmte Affenforscherin Jane Goodall nicht ausgerechnet bei Unilever zur Botschafterin der „Umwelthauptstadt“ zu küren. Goodall soll am 3. September in der Deutschland-Zentrale des Konsumgüter-Konzerns in der Hafen-City öffentlich geehrt werden. Unilever ist als einer der weltweit größten Palmölverbraucher maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Lebensräume des Orang Utans in den Tropen zerstört werden. 


Dienstag, 23. August 2011

Sonntag, 21. August 2011

Freitag, 19. August 2011

Willkommen bei den Haien, kleiner Fisch

greenwashing mal im Kleinen, also dem zwischenmenschlichen Bereich ... da wo es ernst wird, wie weiß die grüne Weste wirklich ist: Birgit Jacobsen-Farber schreibt über den Umgang von Vattenfall mit Kunden, die finanziell nicht systemkritisch sind und deshalb selbständig damit klar kommen müssen:


Willkommen bei den Haien, kleiner Fisch

Dienstag, 16. August 2011

Samstag, 13. August 2011

Der Held des Tages: Per Hinrichs

Dieser Pantoffelheld Held der schreibenden Zunft hat einen Artikel über das "Fest zum Protest" im Wendland in der DIE WELT geschrieben: "Sponsoring mit Restrisiko".

Hinrichs versucht sich in dem Artikel mit scharfsinniger Ironie Geringschätzung des Ereignisses. Höhepunkt seines journalistischen Ergusses ist die Beschreibung eines Sitzblockadetrainings:
Schmerzen! Entbehrung! Ja, das ist gelebter Widerstand. Doch nicht jeder muss ein Held werden: " Soweit muss es aber nicht kommen, jeder kann jederzeit gehen oder sich freiwillig und ohne Schmerzen wegtragen lassen." Dann kommt zwar der Castor durch, aber man hat sich der rollenden Radioaktivität samt Staatsmacht entgegen geworfen.

Lieber Herr Hinrichs: Bei Lesen Ihres Artikels habe ich Schmerzen im Kopf gespürt, weil Ihr Artikel fast jeder journalistischen Sachlichkeit entbehrt. Ich empfehle dringend den (wahlweise durch E.on, RWE, Vattenfall oder EnBW) gesponserten Besuch eines Blockadetrainings, um die Blockade in Ihrem Kopf zu überwinden.



Freitag, 12. August 2011

E.on und RWE und wo die Kohle blieb

 Auf ZEIT online erschien der Artikel "Rosskur im Revier". Der Artikel zeichnet sich durch wohltuende Sachlichkeit und Neutralität aus (kein Wunder, denn statt von Kollege Drieschner ist dieser Artikel von Claudia Reischauer und Christian Tenbrock verfaßt).

Der Artikel beleuchtet den Hintergrund der aktuellen Quartalsverluste der Atomkonzerne E.on und RWE. In diesem Zusammenhang schreiben die Autoren:
 "Zusammen haben E.on und RWE seit 2005 vor Steuern schwarze Zahlen in Höhe von rund 90 Milliarden Euro geschrieben."
90 MILLIARDEN EURO ... in 5 Jahren! Was haben die Konzerne mit diesen gigantischen Gewinnen gemacht?
"E.on machte sich noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts auf, zum voll integrierten und mit Kohle und Kernkraft in allen Winkeln Europas aktiven Energiekonzern aufzusteigen; RWE versuchte, etwa im Wassermarkt energiefremde zusätzliche Renditebringer zu erwerben. Diese milliardenschweren Abenteuer im Ausland fanden überwiegend ein schlechtes Ende."
Oh ... nur mal zur Erinnerung ... es gab schon mal einen Atomausstiegsbeschluß ... der hat den deutschen Atomkonzernen alle Zeit der Welt gegeben, strategisch umzudenken und zu steuern. Aber was machten die Lenker der beiden Konzerne:

"Auf den Wandel auf dem Energiemarkt reagierten die Unternehmen allerdings nur unzureichend, der Ausbau erneuerbarer Energien wurde kaum vorangetrieben."
Die augenblickliche Lage ist also hausgemacht. Die "Energiewende" hat den Bossen nur das Ruhekissen weggezogen. Den normalo Arbeitnehmer trifft es trotzdem. Aber es gibt einen Nebeneffekt: die deutsche Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel. Beide Atomkonzerne wollen jetzt bis zu 20.000 Fachkräfte in Deutschland entlassen. D.h. Arbeitskräfte, die durch gigantische staatliche Subventionen (u.a. der Atomkraft) künstlich dem Arbeitsmarkt entzogen waren, stehen diesem jetzt wieder zur Verfügung. Und für die eine dezentrale Energieversorgung mit vielen kleinen Unternehmen werden diese auch weiterhin gebraucht. Ich glaube, die Energiewende macht sich schneller (für das Allgemeinwohl) bezahlt als allgemein angenommen wird.

Mittwoch, 10. August 2011

Vertrau mir ... oder die verschlungenen Pfade im Mediendschungel

Leider mal wieder ein schönes Beispiel, wie der Journalismus sich sein Grab selber gräbt.

Die dpa verschickt eine Kurzmeldung über eine vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie. Abgedruckt wird die Meldung z.B. im Hamburger Abendblatt.
Reißerischer Titel:

Strom wird bis 2030 32 Milliarden Euro teurer

Inhalt der Studie laut Abendblatt/dpa:

Das geplante Aus für die Atomkraft in Deutschland macht Strom bis zum Jahr 2030 laut einem Pressebericht um insgesamt mindestens 32 Milliarden Euro teurer. Das sei das Ergebnis einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie, berichtete das „Handelsblatt“ am Mittwoch. Der beschleunigte Ausstieg führt demnach auch zur Verlagerung von Stromproduktion ins Ausland und zum vermehrten Import fossiler Energieträger. 

Der veröffentlichte Abriß der dpa listet dann auch auf, wer denn da im Auftrag des BMWi tätig geworden ist:
Die Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI), des Prognos-Instituts und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) liegt dem „Handelsblatt“ nach eigenen Angaben vor.
Natürlich liegt die Studie dem Handelsblatt vor, denn EON und RWE wollen ja, daß diese von ihnen co-finanzierte Studie unter das Volk die Journalisten kommt. Denn: 

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln (EWI) ist ein Forschungsinstitut, dass durch die Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln gGmbH finanziert wird. Gefördert wird das Institut außerdem durch E.ON und RWE.

Das steht aber natürlich nicht in der dpa-Meldung und den Veröffentlichungen. Nein, das steht z.B. hier. Nettes Beispiel der "Unabhängigkeit" des EWI von den Stromkonzernen:
Barbara Minderjahn war von 2009–2011 Leiterin politische Kommunikation des EWI. Davor arbeitete sie von 2007–2009 in der Unternehmenskommunikation bei E.ON Kraftwerke. Seit dem 1. Juli 2011 arbeitet sie als Leiterin Communications & Public Affairs bei RWE Supply and Trading.(Quelle)


Das soll nicht heißen, daß die oben angesprochene Studie an sich tatsächlich nur den Wert einer Werbebroschüre von RWE oder EON hat. Aber das die dpa (und die diese Meldung dann veröffentlichenden Medien) nicht wenigstens einen Hinweis auf den doch recht unneutralen Hintergrund der Ersteller geben, ist ein Armutszeugnis für objektiven Journalismus.

Montag, 8. August 2011

Initiative für ein Erlanger Poetenfest ohne Atom

Ähnlich wie bei den "Hamburger Lesetagen" gibt es auch in Erlangen eine Initiative, die das dortige Literaturfestival (Poetenfest) ohne das greenwashing eines Atomkonzerns betreiben möchte. Was in Hamburg der schwedische Staatskonzern Vattenfall, ist in Erlangen der französische Staatskonzern Areva. Das 2001 entstandene Unternehmen Areva ist das größte seiner Art weltweit: Es bedient die gesamt Wertschöpfungskette der zivilen Atomenergie: Vom Uranabbau in Afrika bis hin zur Wiederaufarbeitung der Brennstäbe im französischen La Hague und den kompletten Bau von Atomkraftwerken, einschließlich der Planung neuer Kraftwerkstypen, die sogenannte dritte Generation.

HIER mehr lesen. 

Cyclassics-Teilnehmer fahren im Anti-AKW Outfit

Aus einem Radsport-Forum: 

"Liebe Leute,

ich hätte da gerne mal ein Problem: ich fahre seit Jahren jeden
Sommer die Cyclassics in Hamburg und die haben sich so langsam
zu meinem Saisonhöhepunkt entwickelt.

Die Cyclassics sind inzwischen mein Lieblingsrennen.

Mit diesem Liebling habe ich nur ein Problem: ich fahre dort auch
mit einem großen Widerwillen, da die Veranstaltung den AKW-
Betreiber Vattenfall als Namenssponsor hat...."



HIER weiterlesen.

Freitag, 5. August 2011

lt. Ökosex ist Energiepolitik ist Kulturkampf

1. Ökosex (ÖS) ist eine Kolumne in der taz. Daneben ist Ökosex die erste Kolumnenband der Welt. Macht Musik und Videos. Und Ökosex ist die erste wissenschaftliche Instanz, die sich mit emotionaler Klimaintelligenz beschäftigt. Darum geht es bei Ökosex: um Kultur und Emotion der solaren Effizienz. Problem: wir leben in einer heiteren Ausredengesellschaft, die davon überzeugt ist, dass es nicht geht. Dagegen helfen Argumente nur bedingt, da braucht es jede Menge Vibrations.
Mehr Infos gibt es HIER.

2. Die neue Kolumne behandelt Atomgeschäfte, Dienstwagen, Poesie in Erlangen ... und gerade das Thema Poesie weist eine starke parallele zur Literatur in Erlangen auf. Lest selbst.

stop greenwashing jetzt bei Twitter!

http://twitter.com/#!/greenwashingHH