Freitag, 8. April 2011

Warum ECHTE Künstler ab sofort PRO Atomkraft sind

WOW. Die Kulturaktion "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" scheint die Literaturszene ja richtig aufzumischen. Selbst im fernen Köln wird über die Aktion berichtet.

Was mich verwundert sind die Rechtfertigungsversuche derjenigen Autoren, die bei den Vattenfall Lesetagen mitmachen, warum das denn in Ordnung sei. Zumindest von den Autoren, die in den Zeitungsartikeln zu Wort kommen. Vor ein paar Tagen gab es das in der Taz auch schon mal.

Frau Richter aus dem Interview in der Taz könnte man sagen, daß sie durchaus aus Sichtweise des Vattenfall-Konzerns eine "Marionette" ist (mal abgesehen davon, daß es schön ist, daß es in Neuseeland keine AKWs gibt ... warum das als Rechtfertigung für Frau Richter dient, für den AKW-Konzern Vattenfall zu lesen, bleibt zumindest mir schleierhaft). Und die Herren Rinke und Stamm hätten sich informieren können, daß Lesetage selber machen schon Monate vor Fukushima geplant war (oder der Reporter hätte dies für sie tun können). Aber das wäre wahrscheinlich auch zu einfach. Denn der echte Literat stemmt sich schließlich laut Moritz Rinke gegen den (vermeintlichen) Zeitgeist und nicht gegen Energiekonzerne.

Kommentare:

  1. Lieber Blogger,

    normalerweise finde ich es etwas feige, in einem Blog anonym zu kommentieren. Das verhindert jeden vernünftigen Diskurs. Aber da Sie selbst es vorziehen, sich in Ihrer Anonymität zu verstecken, und an einer seriösen Diskussion wenig Interesse zeigen, spielen wir nun eben Anonymen-Pingpong. Deshalb nur so viel: Ich bin einer derer, die bei den Vattenfall-Lesetagen dabei sind. Ich kenne auch die von Ihnen als ahnungslos hingestellte Anke Richter persönlich. In Ihren Augen sind wir also keine echten Künstler, sondern Marionetten. Wenn Sie sich da mal nicht in Ihrer eigenen Argumentation verheddern.

    Sie kämpfen hier vehement gegen die Lesetage als Greenwashing-Strategie eines Stromkonzerns. Diese Diskussion kann man führen. Die muss auch Vattenfall aushalten. Was aber unredlich ist, ist der ständige Verweis darauf, dass es ja mit den selbst gemachten Lesetagen eine Alternative gegeben hätte. Auch dieses Engagement muss man nicht diskreditieren. Genauso wie sich der Strommarkt durch Konkurrenz umso schneller hin zur alleinigen Versorgung durch regenerative Energien entwickeln wird, kann auch eine Veranstaltung wie die Lesetage bzw. die Kulturlandschaft Hamburgs von einem Konkurrenzangebot nur profitieren. Nur: So zu tun, als wären beide Veranstaltungen vergleichbar, ist, mit Verlaub, etwas naiv.

    Eine Veranstaltung wie die Lesetage kostet Geld, viel Geld sogar. Geld, das die selbst gemachten Lesetage nicht aufbringen können. Die Künstler dort treten, soweit ich weiß, ohne Honorar auf, die Organisatoren bekommen nichts für ihre Arbeit. Das ist natürlich ehrenwert. Man muss sich das aber auch leisten können bzw. wollen.

    Wenn man jedoch die Ansicht vertritt, dass die Arbeit von Kulturschaffenden ihren Preis hat, sind die Selbstgedrehten eben keine Alternative. Man kann weder Miete noch sauberen Ökostrom von seinem Idealismus bezahlen. Auch bei Greenpeace Energy, in Schönau oder bei Lichtblick wird man müde lächeln und irgendwann den Strom abstellen, wenn man dort anruft und sagt: „Schönen guten Tag, ich kann meine Stromrechnung nicht bezahlen, aber dafür bekenne ich mich in der Öffentlichkeit zu Ökostrom. Reicht doch, oder?“

    Honorare für Bücher sind oftmals so niedrig, dass Autoren einen Gutteil ihres Auskommens durch Lesungen bestreiten. Nun wollen Sie ihnen diese Einnahmequelle mit Verweis aufs Marionettentum streitig machen. Seien Sie doch bitte so konsequent und schießen auf die Richtigen: die öffentliche Hand zum Beispiel, die sich über die Jahre aus dem Kultursponsoring zurückgezogen hat. In diese Lücke sind Banken und Stromkonzerne gesprungen, die das natürlich nicht aus reinem Idealismus tun. Dies ist eine Tatsache, die Sie hier konsequent ausblenden.

    Sie können nun natürlich erwidern: Ha, man darf da aber trotzdem nicht mitmachen, unter gar keinen Umständen. Punkt, aus, Amen. Das Ergebnis einer solchen Argumentation ist allerdings eine verödete Literaturlandschaft, bei der Autoren von Verlagen Honorare kassieren, von denen sie nicht leben können, und auf Veranstaltungen auftreten, für die ihre Organisatoren Spenden einsammeln müssen. Einen solchen Zustand muss dann eine Gesellschaft aushalten können.

    Ich nehme an, dass auch Sie einem Beruf nachgehen. Machen Sie sich dabei etwa des Vergehens schuldig, für Ihre Arbeit Geld zu kassieren? Ich hoffe, Sie nehmen es nur von den Echten.

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  2. Moin,

    erstmal vielen Dank für den informativen Kommentar. Vorweg 2 Dinge zur Klarstellung:
    1. mit minimalem Aufwand läßt sich feststellen, wer in der energiepolitischen blogospähre sich hinter "gimli" verbirgt. So viel bzw. wenig Aufwand muß sein, wenn jemand mit mir persönlich diskutieren möchte.
    2. Vom Kreis derer, die diesen blog betreiben, ist keiner direkt in die Orga der Kulturaktion "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" involviert. Ich habe Ihren Kommentar daher an das Orgateam weitergeleitet, würde mich freuen, wenn diese zu Ihren Vorwürfen auch Stellung nehmen.

    Da Sie mich nun in Ihren Kommentar auch persönlich angesprochen haben, gebe ich hier jedoch auch gerne selbst ein kurzes Feedback.
    In dem Blogeintrag von mir, auf den Sie sich beziehen, habe ich ausdrücklich geschrieben:
    "Was mich verwundert sind die Rechtfertigungsversuche derjenigen Autoren, die bei den Vattenfall Lesetagen mitmachen, warum das denn in Ordnung sei. Zumindest von den Autoren, die in den Zeitungsartikeln zu Wort kommen."
    Ich kritisiere also explizit nicht pauschal sämtliche Autoren der Welt (bzw. der Mitmachenden bei den V. Lesetagen), sondern beziehe mich ausdrücklich auf Aussagen von einzelnen Autoren, die ich der Presse entnommen habe. Zu der Person Frau Richter: sie selbst hat den Begriff "Marionette" als offene Frage ins Spiel gebracht, nicht ich. Nachzulesen im Taz-Interview. Und wenn Sie die Aussagen des Vattenfall Pressesprechers Herrn Kleimeier daneben setzen, der explizit in Bezug auf Autoren und Besucher von einer "Abstimmung mit den Füßen" spricht, dann findet hier eine Politisierung der Teilnahme der Autoren seitens Vattenfall statt. Fakt. Ich weiß nicht, ob das Frau Richter bekannt ist. Wenn ich sie in dem Taz-Interview richtig verstanden habe: nein. Vielleicht machen Sie, die/der Frau Richter anscheinend kannt, darauf aufmerksam, und sie äußert sich dazu nochmals in der Öffentlichkeit. Ich weiß auch nicht, ob das anderen Autoren der Vattenfall Lesetagen bekannt ist. Aber wenn ich Sie richtig verstehe, dann möchten Sie von mir bzw. der Öffentlichkeit einen Ablaß-Handel von wegen "ich war jung und brauchte das Geld". Und diesen Ablaß kann explizit ich Ihnen nicht geben. Mir ist das salopp gesagt egal. Denn das ist Ihre persönliche Entscheidung (und ich bin ein Verfechter persönlicher Verantwortung bzw. Entscheidungen): Sie entscheiden über Ihren Preis. Wenn Sie innerlich gegen die Energiepolitik von Vattenfall sind, aber nach außen auf den Vattenfall Lesetagen auftreten, dann müssen Sie für sich entscheiden, was es Ihnen wert ist, daß Vattenfall mit Ihnen wirbt. Sie schreiben auch davon, welche Diskussion Vattenfall aushalten müsse. Hmm, ich weiß nicht, welche Diskussion die aushalten. Aber Sie sind in der richtigen Lage, das auszutesten, wenn Ihnen das wichtig ist. Machen Sie Ihre innere Haltung einfach öffentlich während Ihrer Lesung, in der von Ihnen gewünschten Art, und dann mal schauen, was passiert. Vielleicht alles, vielleicht nichts.
    Die Frage, die Sie sich stellen müssen, bleibt aber die gleiche: wollen Sie, daß etwas passiert?
    Was die Bewertung der Qualität der Kulturaktion "Lesetage selber machen" bzw. der Kulturlandschaft Deutschlands allgemein angeht, das überlasse ich kompetenteren Menschen als mir.

    Zwei Dinge noch:
    1. stop-greenwashing protestiert gegen Vattenfall als Sponsor der bereits Mitte der 90er Jahre gegründeten Lesetage in HH. Wir protestieren nicht gegen Literaturveranstaltungen noch für ein generelles Verbot von Kultursponsoring. Alle unsere Aktionen und Artikel machen das deutlich, und es verwundert mich, wenn man das nicht wahrnimmt, aber dann müssen wir daran weiter arbeiten.
    2. "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen" wurde lange vor den Ereignissen in Fukushima geplant und öffentlich gemacht. Das läßt sich auch sehr leicht im Internet recherchieren. Und diese Ignoranz einiger Beteiligter war ein Schwerpunkt meines blog Beitrags zum Thema "Zeitgeist".

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  3. Sie haben recht: Ich habe kurz nachrecherchiert und prompt herausgefunden, dass Gimli ein Zwerg aus Tolkiens Welt ist. Sehen Sie, das ist genau das, was ich meine. Sie scheinen kein ernsthaftes Interesse an einer seriösen Diskussion zu haben, solange Sie Ihren Lesern nicht sagen, wer Sie sind. Machen Sie das auf Partys genauso, wenn Sie gefragt werden, wie Sie heißen? Antworten Sie: "Das sage ich nicht, aber der da hinten beim Kartoffelsalat - der kennt jemanden, der weiß meinen Namen."? Jesses.

    Seis drum: Keiner der Teilnehmer der Lesetage erwartet, von Ihnen freigesprochen zu werden. Um Gottes willen, bestimmt nicht. Ich hätte mich auch nach Fukushima entschieden mitzumachen, weil ich die Lesetage für eine sehr gelungene Veranstaltung halte und weil ich auch davor die Verweise auf Restrisiken nicht für das Geschwafel weltfremder Idealisten hielt. Ich musste im Vorfeld keinen Vattenfall-Vertrag für meinen Strom vorlegen, ich musste auf keinem Fragebogen ankreuzen: Atomkraft? Klar, her damit.

    Ich wollte Ihnen mit meinem Beitrag nur vermitteln, dass ich die Welt für komplexer halte, als sie aus der Perspektive eines Tolkienschen Zwerges zu sein scheint.

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  4. Moin,
    Sie wollen über die Lesetage diskutieren, ich diskutiere über Vattenfall (bzw. deren Sponsoring einer Literatur-Veranstaltung). Das erinnert mich an die aktuellen (Fernseh)diskussionen, wo die einen über Wahrscheinlichkeiten, die anderen über Möglichkeiten diskutieren. Sie finden für sich gut, was Sie tun, und haben das Bedürfnis, das der Welt mitzuteilen. Schön für Sie, was die Welt draus macht: keine Ahnung. Mir dagegen ist es persönlich egal, was Sie tun, und vor mir müssen Sie sich auch nicht rechtfertigen. Ich kommentiere es höchstens, wenn ich in der Öffentlichkeit davon erfahre. Auf der Party in dieser Situation würde ich mir jetzt sagen: Weiterreden zwecklos, ich gehe dann mal zum Kartoffelsalat. Und den Namen hat man dann auch wieder ganz schnell vergessen. Mahlzeit.

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