Anmerkungen eines Beteiligten
Die Cyclassics 2010 sind vorbei, für die Menschen in Pakistan hat die Leidenszeit erst begonnen.
Was die Flutkatastrophe in Pakistan mit einem Radrennen in Hamburg zu tun hat?
Antwort: beides ist durch den globalen Klimawandel miteinander verbunden. Erst vor einigen Tagen wieder brachte es der Klimaforscher Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel auf den Punkt. In einer Sendung des
Deutschlandradios sagte er, es bliebe zu beobachten, dass sich „extreme Wettersituationen" häuften. Nach Ansicht Latifs werde die globale Erwärmung zu mehr Trockenheit, aber auch zu extremen Niederschlägen führen. Dies seien zwei Seiten einer Medaille.
Es ist unbestritten, daß der weiter ansteigende Ausstoß von künstlich produziertem CO² in die Atmosphäre, wie es insbesondere bei der Energieerzeugung durch Braun- und Steinkohlekraftwerke entsteht, den sog. Treibhauseffekt über die natürliche Grenze hinaus anheizt und so für den Klimawandel unmittelbar mit verantwortlich ist.
Von daher führt der Bogen von Pakistan nach Hamburg, wo Vattenfall 2011 das größte Steinkohlekraftwerk Europas in Betrieb nehmen möchte.
Was ist das also für ein Zustand, in dem auf der einen Seite der Medaille 20 Millionen Menschen aktuell von einer Katastrophe bedroht sind, auf der anderen Seite der Medaille der unstrittige Mitverursacher sich mit einem Millionen-Sponsoring als Schirmherr für ein unbeschwertes Radsportfest aufschwingt?
Zur Erinnerung: Auch ohne das KKW Moorburg ist Vattenfall Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter: Mit einem CO2-Ausstoß von 890 Gramm pro Kilowattstunde hat Vattenfall im Jahr produziert Vattenfall seinen Strom umweltschädlicher als alle anderen großen Stromanbieter in Deutschland.
WIR NEHMEN DIESE MEDAILLE NICHT AN
Die Energieversorger haben eine besondere Verantwortung für den Erhalt unser aller Umwelt. Aber sie stellen sich ihr nicht. Deshalb stellen wir uns Vattenfall als einer der 4 großen deutschen Energieversorger heute und in Zukunft in den Weg. Und zwar auch dann, wenn sie bei vermeintlichen wohltätigen Veranstaltungen wie den Cyclassics von ihrer eigentlichen Verantwortung ablenken wollen.
WIR HANDELN VERANTWORTLICH
Gestern ist es dem Veranstalter und Vattenfall noch einmal gelungen, mit Hilfe einer starken Präsenz von Polizeikräften die Durchfahrt des Profirennens zu erzwingen.
(siehe Fotostrecke bei der MoPo). Die Polizei räumte die zur Sicherheit für die Fahrer gedachte Warnkette von der Straße. Um die Sicherheit der Fahrer nicht zu gefährden, hat sich das Aktionsteam von GEGENSTROM 10 daher entschieden, die geplante anschließende Blockade nicht mit letzter Konsequenz durchzuführen. Unser Protest richtet sich nicht gegen die Radfahrer, nicht gegen die Cyclassics, nicht gegen die Polizei als ausführendes Organ.
DENKANSTOß und DENKPAUSE
Wir begrüßen die Diskussion, die rund um die Cyclassics und das Thema Greenwashing entstanden sind. Für uns vom Aktionsbündnis „Stop Greenwashing“ hat die Kampagne gegen die Grünfärberei von Vattenfall auch erst begonnen.
Die Cyclassics sind NICHT untrennbar mit den Vattenfall verbunden. Vattenfall ist lediglich der Hauptsponsor und austauschbar. So wie Vattenfall als Stromanbieter austauschbar ist …
Der Veranstalter der Cyclassics ist nicht Vattenfall, sondern eine Agentur für Sportveranstaltungen.
Der Veranstalter und auch die Behörden der Stadt Hamburg sind aufgerufen, sich Gedanken zu machen, ob sie weiterhin eine renommierte Hamburger Sportveranstaltung mit einem Hauptsponsor durchführen möchten, der wachsenden Widerstand in der gesamten Hamburger Bevölkerung hervorruft.
Es sollte zu denken geben, wenn eine Sportveranstaltung nur noch unter massiver Polizeipräsenz durchgeführt werden kann.
Ein Jahr lang haben die Verantwortlichen für die Cyclassics nun Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Wir hoffen, daß diese Denkpause künftig zu einem sauberen Radrennen führt.
Klar ist: auch wir werden uns Gedanken machen.